• Spielkultur

    Mariam ist eine von diesen Begegnungen, die ich scheinbar ganz ohne zu überlegen anspreche. Besser gesagt ist es eher ein Zurufen, und viel Zeit zum überlegen bleibt mir ohnehin nicht, weil sie mit dem Fahrrad an mir vorbeisaust. Ich erzähle ihr von meinem Blog, und so begeistert wie sie sagt „Den kenn ich!“ fühl ich mich, als stünde völlig überraschend der Fleurop­Mann vor der Tür.  Das muss ich einfach auch mal sagen, dass ich mich unheimlich freue, wenn Menschen sich über meinen Blog freuen. Mariam hat Erwachsenenbildung  …

  • Romanhelden

    Wenn der Sommer, der sich zunehmend und spürbar ankündigt, so richtig Fahrt auf­genommen hat, wird das erste Buch von Stefan Müller und Patricia Eckermann ver­öffentlicht: ‚Wir vom Neptunplatz‘ erscheint am 24. August bei Carlsen, und bezeichnet sich im Untertitel bescheiden als Vorabend­roman.Stefan und Patricia bereichern mein un­mittelbares Lebensumfeld auf nicht zu unterschätzende Weise, und so wurde mir kürzlich die Ehre zuteil, das Manuskript vorab lesen zu dürfen. Direkt nach der Lektüre habe ich spontan in Erwägung  …

  • Feuerwehrmann

    Patrick ist Azubi im ersten Lehrjahr. Welchen Beruf er lernt dürfte in diesem Fall unschwer zu erraten sein. Umso mehr überrascht sein eigentliches Berufsziel: Patrick möchte Feuerwehrmann werden. Und dafür benötigt man, wie er mir er­klärt, entweder Abitur oder eine Aus­bildung in einem Handwerksberuf: „Das mit dem Abi hat nicht geklappt…“ beginnt ein Satz, den er mit einem Lachen beendet. Warum er gerade Feuerwehrmann werden möchte frage ich ihn: „Weil ich finde dass das ein Beruf ist, der viel sinnvoller ist als  …

  • Kwerfeldein

    In diesen Tagen mach ich’s wie die Herren auf der Wiese und ruh‘ mich ein wenig aus. Allerdings:  ich hab ausnahmsweise fremd­geschrieben: Martin Gommel von Kwerfeld­ein hat kürzlich freundlich angefragt, und so kam’s. Bei ihm zu lesen ist nun ein Bericht über meinen Blog, der mir so am Herzen liegt. Und irgendwie ist eine solche Form des Resümees auch ein Geschenk an einen selbst, denn es bedeutet innehalten. „Was tu ich eigentlich, und worum geht es mir dabei?“ Das ist die Frage die ich mir, zum  …

  • Neu kalibrieren

    Jakub und ich kennen uns aus dem Inter­net. Vielmehr kennen wir das jeweilige Projekt des anderen. Jakub kennt also meinen Blog, und ich seine Ausstellungs­veranstaltung. Als ich ihn anpreche habe ich allerdings von all dem noch keine Ahnung.Hug me heimlich, so heisst die fortlau­fende Ausstellungsreihe, die Jakub, ge­meinsam mit 2 weiteren Organisatoren, ins Leben gerufen hat. „Die Idee dazu ist eher zufällig und ein bisschen aus einer Bierlaune heraus entstanden. Wir waren in Berlin bei einer Ausstellung in der Kindl-Brauerei und  …

  • Kasap

    Seit fast 20 Jahren kenne ich den Zeitungs­verkäufer Kasap vom Sehen, und auch wenn die Zahl beeindruckend klingt, dürfte es viele Menschen geben, denen er bereits doppelt so lang vertraut ist. Denn schon seit 41 Jahren verkauft Kasap abends auf der Strasse und in den Kneipen den Express und den Kölner Stadtanzeiger. Seit 30 Jahren ist Ehrenfeld sein Bezirk, und so manchen, der heute seine Zeitung bei ihm kauft, hat Kasap noch im Kinderwagen liegen sehen. „Ich kenne so viele Leute…, ach, ich kenne hier fast alle.“ sagt  …

  • Ableger

    Acht Monate des Jahres lebt Frau L. in Österreich, den Rest der Zeit in den Nie­derlanden. Da kommt sie nämlich her, und das kann man auch am Akzent hören. Es ist sofort um mich geschehen, als sie die ersten Worte sagt. Auf wundersame Weise verleiht die Sprachfarbe des niederlän­dischen dem deutschen eben jene  kluge Leichtigkeit, die, wenigstens für meine Ohren, beruhigende Entspanntheit ver­mittelt.Frau L. hat über 36 Jahre in einem Büro gearbeitet, als Chefsekretärin, wenn ich es richtig übersetze. Ihre Arbeit mochte sie gern, sie  …

  • Lesen

    „Lesen hat mir zwei Mal das Leben ge­rettet, das kann ich schon so sagen.“ Das erste Mal war Herr Z. 16 Jahre alt, und der 2. Weltkrieg ging gerade zu Ende: „Ich bin ganz allein und in voller Uniform wochen­lang durch Wälder und fremde Ge­biete ge­gangen. Ich hatte Angst, und unter­wegs habe ich nur Frauen um Hilfe gefragt, keine Männer.“ Bei seinem Marsch nach Hause hat er sich in den Pro­tagonisten des Buches „Nacht über Si­birien“ hineinge&#173dacht, der ebenfalls auf der Flucht war. „Meine  …

  • Computerfachmann

    „Ich sehe immer das Gute im Leben. Jetzt gerade freue ich mich, dass mich eine schöne Frau anspricht.“ Damit meint Herr B. mich, und seine Worte formuliert er mit spielfreudigem und gewitztem Charme, den er in 87 Lebensjahren stetig zu ver­feinern nicht müde geworden ist, wie mir scheint.Früher war Herr B. Computerentwickler. Er hatte eine eigene Werkstatt, in der er Computer gebaut und Schnittstellen ent­wickelt hat. „Ich habe noch ein paar alte Maschinen, das wäre auch interessant für Sie zum fotografieren.“ sagt  …

  • …mitten im Atlantik

    Es ist schon ein kleines Weilchen her, dass ich die Modedesignerin Gesine Moritz durch die Verkettung mehrerer glücklicher Umstände kennengelernt habe. An einem Dienstagnachmittag Ende Januar habe ich sie zuhause besucht, um mit ihr über Kleidung, Mode, ihr Leben und ihr Werk zu sprechen. Und weil es, wie ich finde, ein Vergnügen ist Gesine Moritz zuzuhören, habe ich zu unserem Treffen ein Aufnahmegerät mitgenommen und prä­sentiere nun erstmalig, und vielleicht auch einmalig, einen Beitrag zum Hören. Da unser Gespräch sehr lang, und  …

  • Let every man wear his Tartan

    Die Begegnung mit Herrn K. ist so nett wie sie kurz ist. Herr K. ist zu Besuch in Köln, zum Geburtstag eines Freundes. Er lebt in Bad Oeynhausen und dort ist er Ge­schäftsführer einer Therme. Die Bali­therme ist eine Geschäftsschwester des Neptunbades und der Claudiustherme, wie ich später lese, und mir wird klar; hier wird im großen Stil gesaunt. Als ich mit Herrn K. so dastehe will mir leider keine schlaue Frage einfallen. Das hängt, wie ich vermu­te, mit seiner grundentspannten Ausstrahl­ung zusammen; was soll man viel reden, wenn man  …

  • Viertel vor vier

    „Aus der Reihe Musik zu Wochenende“ nennt Liisa von Charming Quark ihre regelmäßig veröffentlichten Musikempfehl­ungen. Die Auswahl der vorgestellten Künstler trifft häufig zielgenau meinen persönlichen Geschmack, und die Beiträge sind stets mit ein paar Hintergrund­informationen versehen. Die Band die ich an diesem Sonntagabend vorstellen möchte müsste ich wohl unter „Musik zum Wochenend-Ende“ einsortie­ren, wenn ich denn eine solche  Rubrik hätte.  Die Jungs von „Viertel vor Vier“ ziehen mit ihren  …

  • Equal pay day

    Frauen verdienen für vergleichbare Arbeit weniger als Männer. Soviel weniger, dass, würde man es in unbezahlte Tage um­rechnen, der heutige 25. März als der Tag im Kalender markiert werden kann, bis zu dem eine Frau quasi umsonst gearbeitet hat. Oder anders formuliert; Männer be­kommen seit dem 1. Januar Lohn, Frauen erst ab morgen. Etwas fundierter und mit deutlich mehr Hintergrundinformationen klärt ein Artikel der Mädchenmannschaft über den Sachverhalt auf. Weiter geht’s, bitte hier entlang… Women earn less money than men  …

  • Draußen sein

    Herrn D. treffe ich an der Insel Grafenwerth in Bad Honnef. Es ist Mittwoch und trotz des schönen Wetters ist es, anders als am Wochenende, recht menschenleer hier. Herr D. heißt mit Vornamen Heinz: „Hier gibts vielleicht drei Menschen, die meinen Nachnamen kennen. Dass ich Heinz bin wissen alle.“ Früher war Heinz Maurer, heute ist er 71 und in Rente. Eigentlich hatte er in den 50iger Jahren Möbelschreiner gelernt: „Aber damals gab’s noch nicht diese großen Absauganlagen an den Sägen, und die Luft können Sie sich ja  …

  • Frau Meffert

    Das ist Frau Meffert. Seit einer Woche hat sie ihr eigenes Cafe, und das befindet sich in meiner Nachbarschaft. Und weil es Mut und Unterstützung braucht wenn man sich selbstständig macht, und Nachbarschaft außerdem  eine feine Sache sein kann, hab ich heute der Frau Meffert mal einen Besuch abgestattet.Sehr früh, ab 7 Uhr 30, bereitet sie ihren Gästen den ersten Kaffee. Frühstück gibt’s natürlich auch, später noch ein kleines Mittagessen und Kuchen sowieso. Viel Zeit zum reden hatte sie nicht, die Frau Meffert, und so richtig  …

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