• Schwimm schön

    Vom schönsten Meeresschwimmbecken, an dem ich einmal war, habe ich leider kein Foto. Ich erinnere mich, dass ich damals sehr bedauert habe, keine Kamera dabei zu haben und wie ich mühsam versucht habe, mir diesen Umstand schön zu reden. 
Das Meeresschwimmbecken, von dem die Rede ist, liegt im Norden von La Palma; Piscina La Fajana. Vor ein paar Jahren war ich dort, an einem grauen Tag, es war windig und kühl.  …

  • Beim Tierarzt

    Beim Tierarzt am Empfang sitzt eine Frau direkt neben der Eingangstür und wartet. Zu ihren Füßen hockt ein Hund, der ist mittelgroß und grau. Ich kenne mich mit Hunden nicht aus; dieser hier ist einer ohne Fell. Also Fell im Sinne von Haaren. Vermutlich heißt auch bei einem haarlosen Hund das Fell Fell, ich weiß es nicht. Man sagt ja auch Kuhfell, und eine Kuh hat ja auch nur kurze Haare, die platt anliegen. Ich weiß nichts über Hunde, alles, was man an ihnen lesen könnte, entgeht mir oder ich kann es nicht einordnen. …

  • Nebenjob

    Der Kuli ist alle, zack, wie das immer plötzlich geht denke ich, eben schreibt er noch normal und dann, unvermittelt, kommt nur noch Ungefähres in blassblau. Man hat die Hoffnung dass es noch für dieses eine Wort reicht oder auch noch für das nächste oder wenigstens das Datum, ich bin ja gerade noch beim Datum, ich hab ja nicht mal wirklich angefangen mit dem Schreiben, da soll ich schon verstummen. Ich überlege einfach weiter zu machen, den Text ins Papier zu kratzen, das wird man ja wohl später auch irgendwie entziffern können, notfalls  …

  • Den Fokus korrigieren

    Neulich habe ich Fotos an einer Bühne gemacht. Auf der Bühne die Band, vor der Bühne das Publikum, dazwischen ich mit meinen Kameras im sogenannten Graben. Gerade wird die Zugabe gespielt. Nach einem tobenden Konzert mit Konfetti und Lichtspektakel sitzt der Sänger nun auf einer Kiste und singt ein ruhiges Lied, das ans Herz geht. …

  • Am Sekretär meiner Mutter

    Wie ich so draußen auf der Holzbank sitze fällt mir plötzlich eine Erinnerung vor die Füße. Unvermittelt, zack, ist sie da, keine Ahnung aus welcher Richtung sie sich herangepirscht hat – es wird schon irgendetwas gewesen sein, ein unbeaufsichtigter Gedanke, ein Bild, ein Geräusch, irgendetwas, jedenfalls fällt mir plötzlich dieses ein: Als ich noch klein war, so im mittleren Grundschulalter, habe ich mitbekommen, dass Geld bei uns zuhause ein Thema war. Oder genauer gesagt war ‘Kein Geld‘ das Thema. Vielleicht auch wenig Geld oder  …

  • Nur eins

    Früher einmal war ich Kostümbildnerin beim Film. Viele Jahre meines Lebens habe ich mit dieser Arbeit verbracht und noch immer räume ich die Überbleibsel davon auf. Neulich ist mir dabei eine Tasche in die Finger gefallen: aus Plastik, mit aufgedruckten Rosen. Zwei Stück hatte ich davon, vielleicht waren es auch drei, ich kann mich nicht erinnern. Damals hatte ich ungeheuer viele Taschen in allen möglichen Farben, Formen und Größen. In meinem Leben als Filmschaffende hatte ich reichlich Dinge zu verstauen und zu transportieren. Beim  …

  • Strand, Wasser, Wald. Und Zeit

    Die Sehnsucht treibt mich in die Weite. Nichts hören außer den Wind am Ohr und den Kies oder den Sand, der unter meinen Füßen knirscht. Manchmal riecht es nach Diesel wenn ein Schiff vorbeifährt, fast wie in einem Hafen am Meer. Wenn das Schiff schon lang vorüber ist schwappen seine Echowellen schnatternd ans Ufer – ein bisschen geschwätzig sogar, sie kommen schließlich von da, wo was los war. Gehen braucht Zeit. Am ersten Tag gehe ich sehr langsam. Es ist schon beinahe ein Schlendern, aber eins mit Strecke im Sinn. Weit möchte ich  …

  • Ein Leben in der Nachbarschaft

    „Man muss es nehmen wie es kommt. Da steht man sich immer am besten. Es gibt Sachen, die kann man nicht ändern.“ Frau W. tupft ihre Sätze fast singend dahin, ihre Worte sind wohl intoniert und liegen doch sanft in der Luft. Hier legt Frau W. besondere Betonung auf 'kann' und ihr Blick lässt ahnen, dass es in ihrem Leben viele Situationen gab, in denen sie die Grenze des 'kann' genau ausgelotet hat. Sie hat gelernt Möglichkeiten erfinderisch nutzen und anzuerkennen wo Schluss ist – wo etwas nicht zu ändern ist. …

  • Die rote Brigitte

    Sonntags hat Brigitte frei. „Da geh ich nicht ans Telefon, niemand kommt zu Besuch. Nichts, nichts, nichts. Sonntag wissen alle Bescheid: Da bin ich nicht da.“ Manchmal macht sie einen Spaziergang oder ein bisschen Yoga oder sie sitzt einfach so da. Wenn sie Lust hat, macht sie an einer Handarbeit weiter. Oder auch nicht. „Ich drömmel so rum“, sagt Brigitte. Der freie Tag ist wichtig für sie: „ Weil da mal nichts los ist, weil ich keine Verpflichtungen habe. Montags steh ich wieder auf der Matte.“ …

  • „Hoffentlich bin ich die Schönste“

    „Ich bin im sechsundachtzigsten. Seit 61 Jahren wohne ich hier im Viertel, da vorne,“ sagt Frau B. und nickt die Strasse entlang. Frau B., die ich so nenne, weil ich nicht nach ihrem Namen gefragt habe, erzählt mir ein wenig aus ihrem Leben: „Ich hab 66 Jahre lang am Bügelbrett gearbeitet. In einer Reinigung. Nun ist der Rücken krumm. Mit 15 hab ich angefangen und ich hab noch mit 81 gearbeitet.“ „Ich hab immer Karneval gefeiert … früher in den Karnevalsgesellschaften … mit meinem Mann. Sieht man doch!“ sagt sie und deutet auf  …

  • Präsenz

    Bei einem Spaziergang am Rhein vor ein paar Wochen geht Tara an mir vorbei. Ich sehe für einen Sekundenmoment in ihre Augen, sie ist vertieft in ein Gespräch. Es braucht ein paar (einige, um ehrlich zu sein) Meter, bis mein Impuls zu einer Handlung reift, aber dann kehre ich um und eile ihr hinterher, um sie anzusprechen. Ich frage sie, ob sie bereit wäre mich für ein kleines Blog-Portrait zu treffen, erkläre kurz worum es geht und wir gehen auseinander. Ich weiß also nichts von ihr außer ihren Namen, als wir uns 2 Wochen später treffen;  …

  • Sehen und Malen

    Etwas zu machen, zu erschaffen und es dann zu zeigen und es im Zeigen mit anderen zu teilen, das macht für Ronja Sinn. Denn so erfährt oder lernt man etwas, man bekommt Impulse, man gibt Impulse – so entsteht Bewegung. Wichtig ist Ronja eine offene, annehmende Grundhaltung: „Früher an der Uni, wenn wir Bildbesprechungen hatten, haben viele ihre eigenen Sachen schlecht gemacht und abgewertet. Ich mache das nicht.“ In ihren Augen ist das nicht die richtige Betrachtungsweise. …

  • Merkwürdigkeiten

    An jedem Tag meiner Einsiedler-Woche in Domburg Anfang Januar gehe ich am Strand entlang. Ich gehe zu unterschiedlichen Zeiten, das Wasser kommt und geht ebenso zu unterschiedlichen Zeiten. Da sind das Meer und ich uns einig; der Strand ist immer derselbe, unsere Ankunftszeiten variieren täglich. Jeden Tag sieht der Strand ein wenig anders aus, je nach Wetter, das ihn nach eigenem Gutdünken immer neu gestaltet. Ein paar feste Größen gibt es: Strandbuden, Bänke, die Schaukeln, die Buhnen; also die Holzpflöcke, die in langen Reihen den  …

  • Leicht war das nicht…

    Am 1. März 2020 sind es 36 Jahre. So lange lebt Herr W. nun schon in seiner Wohnung. Herr W. hat ein gutes Zahlengedächtnis; Jahreszahlen von Ereignissen, die für ihn von Bedeutung sind, hat er schnell parat. Oft sogar ein genaues Datum. 1992 hat er einen Anruf bekommen – von einem Mann, den er nicht kannte: „Guten Tag, ich habe ihre Wohnung gekauft“, hat er gesagt, und Herr W. war wenig begeistert. „Warum denn ausgerechnet meine?“, hat er sich gefragt. …

  • Life with Pronka & Meike

    Mindestens einmal in der Woche reitet Sifra mit Meike aus, am liebsten am Strand oder im Wald. „Wenn ich mit Meike am Strand reite, dann wird alles andere unwichtig; es gibt nur sie und mich. Für einen Moment kann ich alles vergessen.“ Meike ist das Pferd von Sifras Tante, die ganz in ihrer Nähe wohnt und sich hauptsächlich um Meike kümmert. Denn Sifra reitet und pflegt noch ein anderes Pferd; Pronka, ein niederländisches Warmblut, mit der sie Dressurreiten lernt. Sifra ist 16 und geht noch zur Schule. Sie überlegt Sport zu studieren oder  …

© Smilla Dankert 2019 | Impressum | Datenschutz