Draußen sein

Herrn D. treffe ich an der Insel Grafenwerth in Bad Honnef. Es ist Mittwoch und trotz des schönen Wetters ist es, anders als am Wochenende, recht menschenleer hier. Herr D. heißt mit Vornamen Heinz: “Hier gibts vielleicht drei Menschen, die meinen Nachnamen kennen. Dass ich Heinz bin wissen alle.” Früher war Heinz Maurer, heute ist er 71 und in Rente. Eigentlich hatte er in den 50iger Jahren Möbelschreiner gelernt: “Aber damals gab’s noch nicht diese großen Absauganlagen an den Sägen, und die Luft können Sie sich ja vorstellen, die da immer war.” Die Lehre hat Heinz zwar beendet, aber direkt danach ist er zum Bau gegangen. Dort musste er sich langsam hocharbeiten: “Als Handlanger hab ich angefangen, am Ende war ich Vorarbeiter.” Er hat gerne auf dem Bau gearbeitet, denn da war man immer draußen, an der Luft. Auch heute verbringt er die meiste Zeit draußen: “Was soll ich alleine in der Wohnung sitzen.? Das ist doch nichts.” Jeden Tag geht er zur Brücke, zur Insel, durch den Ort. In seiner Hosentasche hinten links hat er einen blauen Stoffbeutel, den er mir zeigt: “Ich sammele Flaschen und Dosen. Damit bessere ich meine Rente auf. Ich kauf mir Zigaretten und morgens ein Frühstück: zwei Kaffee und ein Brötchen.”
I meet Mr. D. at the Grafenwerth Island in Bad Honnef. It’s wednesday and although it’s wonderful weather only a few people are around, unlike the weekends. Mr. D’s first name is Heinz: “Only maybe three people here know my lastname. But everybody knows I’m Heinz.” In earlier times Heinz worked as a bricklayer. Now he’s 71 and retired. Back in the 50ies he actually was apprenticed to be a carpenter: “But those huge dust extraction systems didn’t exist yet. And so you may imagine the air at the workshop.” He finished his apprenticeship, but right after it he started to work at the building site.There he had to start from the very beginning: “I began as a henchman and finally became a foreman.” He liked his work very much, because it gave him the opportunity to be outside, breathing fresh air. Nowadays he still keeps spending as much time as possible outside: “What am I supposed to do at home all day long, all by myself? That’s not really my thing.” Every day he takes a walk to the bridge, to the island, through the town. In his back pants pocket, on the left side, he keeps a blue cotton bag, which he gets out for me: “I collect deposit bottles and cans. So I try to  increase my pension. I can buy some cigarettes and a breakfast in the morning: 2 coffe and a sandwich.”

Dass ich fremde Menschen auf der Strasse anspreche findet Heinz normal. Das tut er auch, wenn es sich ergibt. Dass ich etwas über sie schreibe gefällt ihm: “Aus dem echten Leben. Das ist doch gut, nicht immer nur die Stars.” Ich frage ihn was er sich wünscht, wovon er träumt. “Ach, das weiß ich jetzt gar nicht so auf Anhieb.” Verreisen, schlage ich vor, vielleicht an einen norwegischen Fjord? “Ja, verreisen, das wär was.” sagt er, aber hauptsächlich wünscht sich Heinz gesund zu bleiben.
That I approach foreign people on the street sounds familiar to Heinz. He also does, if the occasion arises. And he likes that I write something about them: “From real life. That’s good. Not only about the stars all the time.” I ask him, what he’s dreaming of, what he wishes for. “Oh, I can’t even tell straight away.” Travel, I suggest, maybe to some norwegian fjord? “Well, to travel would be nice.” he says, but mainly Heinz wishes to stay healthy.  

 

 

 

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