• Teelichter im Sozialstaat

    Es sind inzwischen einige Päckchen und Pakete für Elvis bei mir eingetroffen und ich möchte mich ganz herzlich bedanken dafür! Ich habe  gestern morgen alles bei Elvis abgeliefert, einen Kaffee mit ihm ge­trunken und ihm beim auspacken zuge­sehen. Elvis hat seine Post sehr sorgfältig begutachtet und alle Absender gelesen: „Aus Koblenz!“; „Sogar aus Weinheim!“. Ich hab ein paar Fotos gemacht, die jedoch nur seine Hände zeigen, weil sie auf sachlichere Weise den Moment zu doku­mentieren imstande sind, als der  …

  • Transistor 3000

    Der Kölner Straßenkarneval hat heute be­gonnen und weniger aus enthusiastischer Feierlaune als vielmehr von der Vermutung getrieben ich könnte es zu einem zu späten Zeitpunkt schließlich bedauern, wenn ich nicht losziehe um zu fotografieren, habe ich mich also auf den Weg gemacht. Ohne Ziel und Absicht habe ich gewartet bis meine Arme von selbst die Kamera ergriffen, oder wie in Julias Fall meine Stimme sich erhoben hat: „Frida Kahlo! Darf ich dich fotografieren?“ The Cologne street carnival started today, and so I went out to  …

  • Revolutionary Dance

    Zack Holland ist in Shrewsbury in Mittel­england aufgewachsen, nun lebt er in London, aber bald zieht er nach Köln. „Ich bin Künstler“ sagt er von sich selbst, und er erklärt mir, dass er diesen Begriff eher  großzügig als sparsam verwendet. Für ihn bedeutet Kunst Freiheit zu schaffen und damit alles ausdrücken zu können. „Ich möchte die Freiheit haben, alles sagen zu können, auch Dinge die nicht erlaubt oder erwünscht sind. In England gibt es ein Sprichwort: ‚Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann  …

  • Petja und seine Freunde…

    …sind gerade dabei Boxen und Verstärker in einen Kindergarten hinein zu tragen. Sie richten die Karnevalsfeier für die Kleinen aus: „Ja, die Erzieher können das nicht leisten, da machen wir als Eltern das.“ Gemeinsam mit einem anderen Vater mo­deriert Petja die Veranstaltung, und dass er etwas abgehackt mit mir spricht liegt nicht daran, dass ich ihm auf die Nerven gehe, wie ich auf verunsicherte Nachfrage erfahre: „Nein, das ist einfach, weil da Arbeit wartet gerade.“ Und das stimmt natürlich, während ich  …

  • Teelichter und Tante Käthe

    Das ist Elvis. Einige werden ihn sicher schon kennen, denn hier im Blog ist er bereits zwei mal zu finden. Manchmal treffe ich Elvis wenn ich unterwegs bin, und wir reden ein bisschen. Seitdem der Winter sich als solcher deutlich zu erkennen gibt habe ich mich oft gefragt wie es Elvis wohl gehen mag. Heute nun bin ich ihm endlich über den Weg gelaufen. „Mir geht’s sehr gut. Ich hab jetzt eine kleine Hütte, in der ich nachts schlafen kann.“ Als es so richtig kalt geworden ist, hat er seinen Schlafplatz unter der Brücke  …

  • Waschtag

    Wäscheleinen mit wehenden Laken, im Winde flatternden Blusen und wippenden Unterhosen, (wobei letztere oftmals wahlweise Rührung oder Belustigung hervorufen, und einen diskret zur Seite blicken lassen), sind selten zu finden im Straßenbild deutscher Städte. Auf dem Land, in Dörfern, in Vororten, da erfährt die gute alte Wäscheleine noch, was es bedeutet am bundesdeutschen Alltag teilnehmen zu dürfen, wenngleich haupt­sächlich am sommerlichen.Dabei kann man auch bei eisigen Tem­peraturen die Wäsche im Freien trocknen: nach der Froststarre  …

  • Allein ist’s nix

    Ich hab ja schon so manches Radrennen hinter mir, seitdem ich fremde Menschen auf der Straße fotografiere. Bei Florian kommen aber sowohl ich selbst als auch mein grünes Hollandrad an eine natürliche Belastungsgrenze. Florian ist einer der Musiker und aber auch Mit-Gründer von Pelemele: „Wir machen Rockmusik für Kinder.“ Florian spielt Keyboard und singt und dass er immer sehr schnell Fahrrad fährt steht hier sogar öffentlich geschrie­ben. Pelemele gibt es seit 11 Jahren und bedeutet soviel wie drunter und drüber, das lerne ich  …

  • Einer für alle, alle für einen

    Es gibt in Köln nur noch zwei Schorn­steinfeger, die Zylinder tragen und Olli ist einer davon. Er hält damit an einer Tra­dition fest, die für ihn von Bedeutung ist, ganz einfach weil er Traditionen wichtig findet. Seine Freundin, die mit Kind und einem Windelpaket, das er eben noch getragen hat,  beim fotografieren zusieht, sagt: „Das ist eben Olli, wäre er Bäcker, würde er auch die Tradition aufrecht erhalten.“ Bäcker wollte Olli aber nicht werden, und Schornsteinfeger eigentlich auch nicht: „Ich wollte  …

  • Keine Angst?

    Vor wenigen Tagen hat bosch eine Frage gepostet: „Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest?“ Diese Frage schiebe ich seitdem in meinem Kopf hin und her, und heute kam mir die Idee, sie auch anderen zu stellen. Gabi ist auf dem Weg zur Arbeit als ich sie anspreche; für das Kölner Mode-Label Wondrous arbeitet sie als „Verkäuferin, und, ach als Mädchen für alles.“ Ganz spontan beantwortet Gabi die Frage so: „Beschützerin von Witwen und Waisen.“ Sie lacht und überlegt: „Also, wenn ich keine  …

  • Verlässlichkeit

    Frau Samsen Huch ist eine Frau mit vielen Talenten; sie ist Produktdesignerin, Metall­gestalterin, Gold- und Silberschmiedin, sie ist Künstlerin, betreibt laut eigener Aus­sage „nebenbei noch eine Kinder-Kunst­schule“ und außerdem entwickelt sie ge­meinsam mit ihrem Mann Farb- und Ge­staltungskonzepte für Wohn- und Wirkungs­räume. An ihrem bevorzugten Werkmaterial Me­tall, aus dem sie abstrakte Innen- und Außen-Skulpturenfertigt, interessiert sie unter anderem die Korrosion: „Der Rost, wenn das anorganische Metall in  …

  • Über Pax, über mich, über Mode…

    Die Begegnung mit Pax liegt bereits fast 2 Wochen zurück und hat in mir ein Thema an­gerührt, dass mich schon länger beschäf­tigt; was eigentlich macht anders-anziehen zum Mode-blog?Pax kreuzt meinen Weg in Neu-Kölln; sie lebt seit 2 Jahren in Berlin. Wie lange sie noch bleiben wird weiß sie momentan nicht: „Vielleicht ein halbes Jahr, oder ein ganzes?“ Meine Frage woher sie kommt beantwortet sie mit: „New York, Austra­lien, je nach dem…“ Das verstehe ich nicht, also frage ich nochmal nach, aber irgendwie  …

  • Auf der Zielgerade

    Als Theresa in der zweiten Klasse war hat sie ihre erste Zeitung herausgebracht: ‚Resis neue Nachrichten‘. Auf einer alten Schreibmaschine hat sie ihre Texte verfasst und mit einer Auflage von 3 Stück pro Heft begonnen. Natürlich hat Thea sich im Laufe ihrer frühen Jugend neue technische Möglichkeiten zu Nutze gemacht und so hat eine elektrische Schreibmaschine Einzug in ihre kleine Redaktion gehalten, bis diese schließlich einem Computer weichen musste. Nebenbei hat Thea ihre Auflage auf 15  Hefte pro Augabe gesteigert:  …

  • „Mary, Mary, Mary“

    Vier weitere Schwestern haben Mary (links) und Mary-Rose aus Marseille. Sie sind jedoch die einzigen Zwillinge in ihrer Familie, die übrigens eine eigenwillige Namens-Tradition lebt: alle sechs Schwes­tern heißen Mary in Verbindung mit einem wei­teren Namen. Allein Mary heißt wirklich nur Mary. Als ich frage, wie diese Beson­derheit sich wohl erklären mag, antwortet Mary-Rose: „Ja, unsere Familie stammt aus Kamerun, und da ist alles sehr christlich. Mary, Mary, Mary.“ Dabei rollt sie mit den Augen und zuckt die Schultern. Noch  …

  • Und atmen….

    Mein Blick,  einmal geschärft für die Bot­schaften der allgegenwärtigen Jutebeutel, wendet sich im vorbeilaufen neugierig dieser Tasche zu. Aus ganz eigener und höchstpersönlicher Erfahrung kann ich dem dort geschriebenen nur zustimmen; oft genug stelle ich das Atmen momenteweise kom­plett ein. Häufig ertappe ich mich beim flach atmen; Notstands-Atmen nenne ich das gerne. Gerade soviel atmen wie unbedingt nötig. Aber auch Menschen vor meiner Kamera sind bestrebt möglichst wenig Sauerstoff zu verbrauchen: „Und atmen…“  …

  • Seltene Erden

    Ulrike studiert Mongolistik, und so kommt es, dass sie ein Jahr lang in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei verbracht hat. Nun lebt sie in Berlin; in Kreuzberg um genau zu sein, und nein, dort wird sie nicht oft auf ihren Mantel angesprochen: „Das ist das traditionelle Gewand der Landbevöl­kerung in der Mongolei.“ Der Deel, so der landesübliche Begriff, wird sowohl von Männern als auch von Frauen getragen. Er wird nur am Hals geknöpft und hat keine Taschen. Meine Karte, die ich Ulrike gebe, steckt sie einfach in die  …

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