Seltene Erden

Ulrike studiert Mongolistik, und so kommt es, dass sie ein Jahr lang in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei verbracht hat. Nun lebt sie in Berlin; in Kreuzberg um genau zu sein, und nein, dort wird sie nicht oft auf ihren Mantel angesprochen: „Das ist das traditionelle Gewand der Landbevöl­kerung in der Mongolei.“ Der Deel, so der landesübliche Begriff, wird sowohl von Männern als auch von Frauen getragen. Er wird nur am Hals geknöpft und hat keine Taschen. Meine Karte, die ich Ulrike gebe, steckt sie einfach in die Mantelöffnung an
der Seite: „So macht man das, die Schärpe verhindert, dass etwas runterfällt.“ Unter dem Mantel wird normale Kleidung getra­gen: „So wie hier, ganz westlich. Das ist eben die Globalisierung.“
Ich frage Ulrike wie die Menschen in der Mongolei so sind: „Es ist ein ziemlicher Unterschied ob man in der Stadt oder auf dem Land ist. Auf dem Land sind die Menschen sehr herzlich und gastfreundlich. In der Stadt ist das Leben schon härter. Es herrscht viel Armut und Arbeitslosigkeit.“

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Die mongolische Landbevölkerung lebt überwiegend von der Viehzucht: „Vieh­züchter ist ein angesehener Beruf. Die Menschen ziehen umher, mit ihren Jurten und den Herden; das ist der klassische Weidewechsel.“ Aber auch auf dem Land geht es inzwischen modern zu: „Es gibt Handys und neben der Jurte steht auch mal eine Satellitenschüssel.“ Der Dokumentar­film der in Berlin lebenden mongolischen Regisseurin Byambasuren Davaa: „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ erzählt vom Leben der mongolischen Landbevöl­kerung.
 
Im vergangenen Jahr hat Deutschland ein Rohstoffabkommen mit der Mongolei ge­schlossen; die FR betitelte  einen ernüch­ternden Artikel so: „Mongolisches Rohstoff-
Monopoly“. Neben Gold und Kohle verfügt die Mongolei über Seltene Erden, die beispielsweise für die Herstellung  von Hybridfahrzeugen, Turbinen oder Akkus von großer Bedeutung sind.
Seltene Erden, dieser Begriff klingt aller­dings auch wie eine traurige Prophe­zeiung. Das nomadische Leben in unendlichen Landschaften ist in seiner Tradition durch zunehmende Verwestlichung und die be­ginnende Rohstoffausbeutung unmittelbar bedroht.

Ulrike plant zur Zeit keine Rückkehr in die Mongolei: „Das Beste hab ich mir ohnehin mitgebracht: die Liebe.“ Was sie im Leben wichtig findet, frage ich noch: „Immer neue Ideen zu haben!“

7 Comments

  • Barbara sagt:

    wow, Mongolistik, ich wusste nicht, dass es dieses Studienfach gibt, wie faszinierend! Ich habe vor Weihnachten die Filme das weinende Kamel und Der gelbe Hund von Byambasuren Davaa gesehen und war absolut begeistert. Ich würde so gerne einmal dorthin fahren. Gerne würde ich mit Ulrike eine Tasse Kaffee trinken und alles über dieses Land und seine Menschen erfahren wollen. Danke für diesen tollen Post!

  • smilla sagt:

    Barbara, ja hinfahren!!!

  • Oona sagt:

    Mir gefällt die Landschaft der Mongolei sehr. In den Filmen im Fernsehen scheint die Landbevölkerung sehr kernig, aber herzlich zu sein.
    Interessanterweise habe ich letztens einen Film gesehen über Island. Also müßte ich gar nicht sooo weit fliegen um diese Weite zu sehen. Natürlich ist die Mongolei nicht mit Island zu vergleichen. Wahrscheinlich ist es auch leichter die mongolische Sprache zu erlernen als Isländisch.

    Ich frage mich oft, wie die Menschen hier in Deutschland diese Mützen bei unseren milden Temperaturen tragen können. Das muss doch so warm sein dadrunter.

    Ganz ansprechend finde ich auch die Kleidung dort in der Mongolei. Die Farben und das schräg verschlossene.

    Irgendwie finde ich bei Ulrike die Brille zum Outfit passend.

    Ich hoffe, die Woche in Berlin läßt hier noch weitere interessante Menschen und ihre Kleidung erscheinen.

  • smilla sagt:

    Oona, in Berlin war es nicht mild an dem Tag, so gesehen hat die Mütze unbedingt Sinn gemacht… außerdem denke ich, dass Pelz eine ähnliche Eigenschaft hat wie Wolle oder Seide, die temperatur also "reguliert", aber ich hab keine Erfahrung damit.
    Ja, ich hab noch ein paar Fotos gemacht in Berlin 🙂

  • Sibylle sagt:

    Her mit den jungen Berlinbildern!

  • Oona sagt:

    Gerade bekam ich Info-Post von der Zeitschrift "Ohrenkuss". Sie wird u.a. von Menschen mit Down-Syndrom gemacht.

    Da fand ich die Möglichkeit in ein Heft Einblicke zu bekommen, welches bei mir leider verschütt gegangen ist. Hier die Landschaft, die ich meine.
    Und auch sonst ist die Seite Ohrenkuss sehr interessant.

    http://www.ohrenkuss.de/heft/nr15/landschaft/

    Dir ein schönes Wochenende
    Oona

  • smilla sagt:

    Oona, wie schön! könnt' so losreisen..

    Ohrenkuss; Mongolei

    das Heft ist ja aus Bonn, hab ich gesehen. So nah, und ich hab noch nie davon gehört.

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