• Nebel über Helgoland

    Als das das Schiff anlegt ist der Himmel über Helgoland grau. Die Überfahrt war ruhig, aber kalt. Anfangs sind viele Menschen an Deck umhergelaufen, doch schon bald waren es nur noch ein paar wenige. Die meisten einfache Arbeiter, zumeist Polen wie mir scheint. Zwei von ihnen stehen während der ganzen Fahrt. Eine Hand in der Tasche, in der anderen Hand halten sie abgegriffene Plastiktüten. Manchmal reden sie ein paar Worte. Ansonsten gucken sie in die Ferne. Es sitzen auch ein paar deutsche Handwerker draußen. Auf dem Rücken ihrer  …

  • Bloß nicht ertappen lassen!

    Es sind ja oft die scheinbaren Nebensächlichkeiten, die einen an einem Menschen nachhaltig beeindrucken. Oder auf die man beispielhaft zurückgreift, um ihnen ein Bild zu geben. So eine vermeintlich kleine Begebenheit, ein leicht zu übergehendes Erlebnis hatte ich mit Isabel Bogdan im letzten Sommer. Ich muss dazu sagen, dass ich Isabel schon ziemlich lange aus dem Netz kenne. Persönlich habe ich sie das erste Mal vor ca. neun Monaten getroffen. Damals war sie mit der Fertigstellung ihres erstes Romans beschäftigt, der in diesem Frühjahr  …

  • Sich zeigen – nicht schweigen

    Das bin ich. Ich zeige heute hier ein Foto von mir selbst – um Gesicht zu zeigen. Das Bild ist im letzten Sommer entstanden, nicht extra für diesen Post, aber das ist egal. Sich zeigen – nicht schweigen, das reimt sich blöderweise, aber das muss nun auch egal sein. „Wer schweigt, scheint zuzustimmen“ lautet ein Sprichwort. Anlässlich der jüngsten Ereignisse in Clausnitz und Bautzen ist es mir ein dringendes Anliegen, deutlich erkennbar nicht zuzustimmen. Es ist mir ein Bedürfnis nicht zu schweigen. Auch wenn es mir gleichzeitig  …

  • Am Ende des Tages ein Zebra

    „Und, hast du schöne Fotos gemacht?“ fragt mich John Lennon in der Dämmerung. „Ne, ich hab nur Mist zusammenfotografiert.“ erwidere ich unfroh. John Lennon ist übrigens in Wahrheit Janis Joplin und irgendwie passt das zu meinem Tag: man sieht eben nur, was man sehen will. Oder kann. Janis Joplin kann ich nicht von John Lennon unterscheiden und im Karneval vermag ich keinen Frohsinn zu entdecken. Auf meinem diesjährigen Spaziergang durch die Kölner Weiberfastnacht weicht die Melancholie mir nicht von der Seite. Sie färbt meinen Blick und  …

  • Mehr Katzen für das Internet

    Es heißt ja immer leicht verächtlich das Internet sei voll von Katzen. Ich weiß nicht welches – meins jedenfalls nicht. Das Internet in dem ich unterwegs bin, ist, so erscheint es mir in diesem frisch angebrochenen, bereits vielfach beschädigten Jahr, bedauerlich voll von schlechten Nachrichten, Niedertracht und erschütternder Rechthaberei. An manchen Tagen fühle ich mich müde von all den grausamen, durch Menschen verursachten (oder nicht durch sie verhinderten) Katastrophen und dem Hass. Dem Hass, der Grausamkeiten ermöglicht, dem  …

  • Von sich selbst sprechen

    Zu schweigen ist für Sakher keine Option: Themen, über die berichtet werden muss, die kritisch zu hinterfragen sind, Zusammenhänge, die es zu verstehen oder Missstände, die es zu benennen gilt – Sakher will sie an – bzw. aussprechen. Er möchte, dass Wahrheiten es ans Tageslicht schaffen und sie nicht unterwegs durch politische, persönliche oder wirtschaftlichen Interessen pervertiert werden: „… weil es um Macht oder Geld geht.“ Um ein Leben führen zu können, in dem es ihm möglich ist als Journalist zu arbeiten ohne politisch  …

  • … und dann auch noch schnücksch?

    Vom Mitspielen dürfen Eines möchte ich diesem Text voranstellen: unendlich viele Menschen in diesem Land widmen sich aufopferungsvoll, unentgeltlich, unentwegt und zumeist unerwähnt der Hilfe und Unterstützung von Flüchtenden. Sie verwenden ihre Kraft und Zeit um zu helfen. Ich kann mich nicht dazuzählen, denn ich tue quasi nichts. Allerhöchstens ein leises ‚quasi‘ darf ich mir gönnen, oder ein hoffnungsvolles ’noch nichts‘. Ich lese, ja. Vor allem Herrn Buddenbohm gilt an dieser Stelle mein Dank, der sich  …

  • Haydarpaşa, kapalı

    Es gibt Orte, an denen ist man üblicherweise nicht allein. Oder besser gesagt, vielleicht ist man an ihnen sogar allein, aber man ist nicht für sich. Manche Orte teilt man naturgemäß mit anderen Menschen; sogar mit vielen zumeist. Deswegen hat es es immer seinen ganz eigenen Zauber, solche Orte menschenleer vorzufinden. Schon einer nächtlichen, verlassenen Fußgängerzone, die nur für den Öffnungszeiten-orientierten Tag gemacht zu sein scheint, wohnt dieser eigentümliche Reiz inne. Oder eine Kneipe (sagt man eigentlich heute noch Kneipe?)  …

  • Drei Generationen Haus

    In einer schmalen, steilen Strasse im Istanbuler Stadtteil Cihangir steht Elas Geburtshaus. Nicht nur sie, auch ihre drei Schwestern – die älteste ist 38, die jüngste 17 – sind hier zur Welt gekommen. Ela, die ich im Café ihres Großvaters Cemal kennengelernt habe, hat mich eingeladen, sie in ihr Haus zu begleiten: „Wir leben dort alle zusammen, meine Eltern, meine Großeltern, ich und meine jüngste Schwester.“ Ela ist (ich schrieb es schon) von leiser, aber überbordender Herzlichkeit. Wie könnte ich ihr Angebot ausschlagen. Also machen wir  …

  • Cemals Café

    Istanbul ist auf sieben Hügeln erbaut und jeder dieser Hügel bietet unzählige Aussichten und Panoramablicke. Stünde das Wort Hügel für einen hohen mathematischen Rechenwert und nähme man den zum Quadrat – oder besser noch alle sieben Hügel zum Quadrat – dann käme dabei eine immens hohe Zahl heraus, die die Fülle der Aussichtsmöglichkeiten Istanbuls beschreiben würde. An einem dieser fast beiläufig vorhandenen, verschwenderisch schönen Aussichtspunkte hat Cemal ein kleines Straßencafé. Selten dürfte diese Bezeichnung derart stimmig sein:  …

  • Menschen am Bosporus

    Istanbul ist für mich ein Sehnsuchtsort. Bin ich nicht hier, sehne ich mich her. Manchmal, wenn im Fernsehen ein Bericht über Istanbul kommt, dann schicken Freunde und Bekannte eine sms oder eine mail: „Jetzt grad, jetzt läuft was“, oder „Morgen Abend, hast du gesehen…?“ Dann muss ich entscheiden, ob ich es überhaupt sehen möchte. Ob ich mich der Sehnsucht stelle. Und wenn ich dann hier bin – so, wie ich mich momentan glücklich schätzen darf, in Istanbul zu sein – finde ich mich konfrontiert mit einer anderen Form der  …

  • WMDEDGT beim CSD

    Inspiriert von der Kaltmamsell mache ich mit bei WMDEDGT*, ausgerufen von der (mir bis dato unbekannten ) Frau Brüllen und so gibt es meinen diesjährigen CSD Bericht mal im Tagebuchstil. * Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Auch in diesem Jahr habe ich mich beim CSD der Auftragsfotografie gewidmet; es galt den Showtruck meines Auftraggebers im gesamten Streckenverlauf stimmungsvoll abzubilden. Schöne Sache. Hier zeige ich aber nun Fotos, die ich quasi ’nebenbei‘ gemacht habe. 09:15 Mein Blick wandert sorgenvoll in den  …

  • Der Frühling, so weit

    Manchmal, ja manchmal, da fahr ich abends durch den Park, wo scheinbar alle anderen auf der Wiese sitzen. Oder gesessen haben; ein paar wenige Menschen sind vielleicht noch übrig. Auf Decken, auf Treppen, mit einer letzten Flasche zu warmem Bier. Ein Wunsch schwebt wortlos in die Dunkelheit: „Komm, wir bleiben. Noch nicht heimgehen. Lass uns die Zeit zerdehnen.“ Es ist beinahe Sommer. Manchmal, ja manchmal – ich will ehrlich sein – da denk ich mir: „Sagt mal, habt ihr denn alle nichts zu tun?“Wie so ein alter Reaktionärsgeist.  …

  • Yemek – das ist Türkisch und heißt Essen

    Isabel Lezmi  und Lisa Rienermann Das sind die schönsten Überraschungen: Geschenke, mit denen man nicht rechnet. Liisa von Charming Quark hat mir vor ein paar Wochen ein Istanbul-Kochbuch geschickt – einfach so! Nett, nicht wahr?Yemek heißt das Buch und es ist toll. Isabel Lezmi und Lisa Rienermann haben sich das Buch zusammen ausgedacht und es miteinander umgesetzt. Neulich habe ich die beiden in Köln getroffen. ******* Ein Buch wie ein Ferientag am Bosporus – so steht es hinten auf dem Buch geschrieben. Mit dieser  …

  • Ein Tag am Aprilnebelmeer

    Das große Warten auf den Frühling hat schon lang begonnen – ich weiß. Und wie es aussieht, ist er ja nun da. Jeder Sonnenstrahl wird willkommen geheißen, genutzt und gefeiert. Die Schlange an der Eisdiele um die Ecke ist verlässlich lang, in den Hinterhof-Gärten werden die Tische zum Abendessen gedeckt. Der frühlingsblaue Himmel bekommt ein paar frische Farben zur Gesellschaft und zeigt sich vertraut mit ihnen Hand in Hand: grüne Wiesen und erblühender Ginster, Kirschblüten und Osterglocken – eine muntere Gang erfüllt ein ersehntes  …

© Smilla Dankert 2019 | Impressum | Datenschutz