• …einfach so hineinfallen

    Mit Dominik treffe ich mich zum Kaffee, weil er mir eine mail geschrieben hat. An den Gedanken des darin enthaltenen Vor­schlags muss ich mich vorerst noch ein wenig für mich allein gewöhnen, aber bald verrate ich mehr dazu. Das Foto jedenfalls ist etwas anders zustande gekommen als sonst, aber egal wo oder wie; ich hätte Dominik ziemlich sicher ohnehin ange­sprochen.„…zu studieren bedeutet nicht, dass man besonders schlau oder intellektuell ist.“  sagt er mit einem Lachen, das weitere Er­läuterungen überflüssig  …

  • Lebendige Mischung

    Zuerst sehe ich das Auto, dann die Kappe, dann warte ich wer aussteigt. Und das alles im Parkhaus. Wolfgang Leidhold ist ein Mann mit 2 Professionen. Zum einen ist er Politikwissenschaftler, zum anderen Künstler. Wolfgang Leidhold malt, und als ich ihn treffe ist er eigentlich mit einem Bein schon im Flugzeug nach New York, wo in diesen Tagen seine Ausstellung Knots and other stories im Chelsea Art Museum eröffnet wird. Das Malen und die Kunst begleiten ihn schon eine ganze Weile: „Ich habe aber lange quasi nebenbei gemalt. Freunde  …

  • The Ladys

    Die „Könnte man im echten Leben doch auch mal so tragen“-Serie widmet sich nach den Männern nun den Frauen, und beschließt gleichzeitig meinen diesjährigen Karnevals-Ausflug. Und das alles ohne viele Worte. (Nach vielen Worten ist mir nämlich gerade einfach nicht.) Nicht unerwähnt möchte ich allerdings lassen, dass Linda ihr alltagstaugliches Rot­käppchenkleid flott über Nacht selbst ge­näht hat. Und sie ist nicht etwa Schnei­derin von Beruf. Mein Kompliment! …

  • Fliessende Grenzen

    Jedes Jahr an Weiberfastnacht kommt es abends in der Tagesschau: am Alter Markt in Köln wurde am Morgen pünktlich um 11:11 der Straßenkarneval eröffnet. Das nichtkarnevalistische Restdeutschland wird dann mit synthetischer Bunt- und Aus­gelassenheit dicht gedrängter Menschen­massen in zweifelhaften Kaufhaus­kostümen und kätzchengeschminkten Ge­sichtern erschreckt. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, aber leider findet eben diese Hälfte den medienwirksamsten Niederschlag. Dass man nicht zur industriell gefertigten Plüschküh oder zum  …

  • Karnevalsflüchtling

    Wenn der Strassenkarneval in Köln los geht rollt so mancher Einheimische mit seinem Koffer lieber schnell in Richtung Bahnhof. Dort anzutreffen ist eine große Zahl wei­terer Rollkoffer, die allerdings von Aus­wärts extra für die tollen Tage angereist sind, und die Stadt aus umgekehrter Rich­tung erobern. Ich habe heute allüberall solcherart höchst unterschiedlich moti­vierte Menschen mit ihren Rollkoffern ge­sehen, und Raoul beantwortet meine Frage ob er ein Karnevalsflüchtling ist mit einem klaren „Ja!“ Er ist auf dem Weg nach  …

  • Leipziger Loden

    Pia’s Lodenmantel weckt eine Kindheits­erinnerung; im Alter von 10 oder 11, ich weiß es nicht mehr ganz genau, hatte ich nämlich ein Lodencape. Was ich jedoch noch sehr genau weiß; mit meinem Lodencape war ich ganz allein auf weiter Flur. Niemand sonst hatte eins, niemand sonst hatte überhaupt etwas aus Loden. Meines war von Lodenfrey; ganz was feines, wie mir nachdrücklich vermittelt wurde, als ich gegen das ungewollte Klei­dungsstück erfolglosen Einspruch zu er­heben gewagt habe. Pia in ihrem Mantel erfreut mein Auge trotz der  …

  • September

    Ähnlich wie dieser Herr liegt Frau K. mit ihrer Kleidung ganz im Trend, ohne dies allerdings beabsichtigt zu haben. Als ich ihr erkläre, dass mich die Original-Träger­innen der Vintage-Mode faszinieren, bzw. der Umstand dass sich die Generationen quasi auf der Strasse begegnen mit den noch vohandenen oder aber  Second Hand gekauften Kleidungsstücken, nickt sie be­stätigend. Sie selbst hat den Mantel von ihrer Mutter geerbt, und liebt ihn sehr. Frau K. ist 75 und ich frage sie, was sie früher gearbeitet hat: „…oder was ich heute  …

  • Schule machen

    Eher so aufs Geratewohl frage ich Aimée ob sie es in ihrem Leben etwas besonde­res, bestimmtes gibt, was sie beschäftigt; ein Projekt, ein Thema, eine Idee. Und das gibt es tatsächlich: „Ich gründe gerade einen Verein um in der Elfenbeinküste den Bau einer Schule zu ermöglichen. Dort gibt es zwei Dörfer, aber keine Schule. Deswe­gen haben die Kinder jeden Tag einen Schulweg von 12 km, den sie zu Fuß zu­rücklegen müssen. 12 km hin und 12 km wieder zurück.“ Aimée ist selbst in Afrika aufgewachsen und hat das Problem der langen  …

  • Museumsbesuch

    An einem ganz besonders heissen Tag im ganz besonders heissen Istanbuler Sommer bin ich, nicht ganz ohne Hintergedanken, ins Museum gegangen. Die Hitze hatte mir derart zugesetzt, dass sich die Aussicht auf klimatisierte Räume zur unwidersteh­lichen Verlockung auswuchs. Also hab ich mich auf den Weg ins Istanbul Modern gemacht, dass hie und da sogar mit dem MoMa in New York verglichen wird. Dort angekommen fiel mir die Frau im hum­merroten Kleid auf. Der Moment sie anzu­sprechen war jedoch denkbar ungünstig, denn ihre ungeteilte  …

  • Rote Schuhe

    Anka trägt zu allem rote Schuhe. Stiefel, Pumps, Turnschuhe, Ballerinas; alles in Rot vorhanden: „Dann steht schon mal ein Element der täglichen Kleidung, rote Schuhe passen irgendwie immer.“ Den Rest kombiniert sie dann dazu, und zwar gern in klaren und kräftigen Farben. „Farbe belebt.“ sagt Anka, und Schwarz mag sie gar nicht. Anka ist freie Grafikerin und arbeitet viel am Schreibtisch alleine vor sich hin; trotzdem zieht sie sich auch dafür bewusst an: „Es wär ja manchmal egal wie ich dasitze, sieht ja  …

  • They shoot music

    Michael und Sarah leben und studieren in Wien. Und ähnlich wie beim letzten Mal, als ich ein Paar mit gleichen Jacken ange­sprochen habe, erzählen auch sie mir von einem außergewöhnlichen Projekt, dass sie gemeinsam mit Freunden betreiben. „They shoot Music – Don’t they?“ fragt der Titel ihres Blogs, um sich dann mit einer be­achtlichen Anzahl selbstproduzierter  und planvoll improvisierter Musik-Videos zu präsentieren. Und die entstehen so: Bands die in Wien gastieren werden freundlich gefragt, ob sie denn nicht  …

  • Berliner Junge

    Ich kann mir nicht helfen; Luis macht auf mich definitiv den Eindruck als hätte er ziemlich viele, ziemlich gute Ideen. Und sehr gerne hätte ich ein bisschen mehr Zeit gehabt mit ihm zu reden. Leider war er aber gerade auf dem Weg zum Zug zurück nach Berlin. So kann ich nur wiedergeben, was ich in der kurzen Zeit erfahren habe; er macht Judo, spielt Klavier und Trom­pete, und die Musik, die er gern hört wählt er ganz nach Stimmung aus. Wichtig sind ihm Freunde und Familie, und das mit dem Blog ist für ihn völlig ok. Sein Opa, der ne­ben  …

  • Eine Stunde in die Stadt

    Es ist noch gar nicht so lange her dass ich Jen das erste mal getroffen habe. Heute bin ich ihr am Dom wieder begegnet, und ohne dass ich sie auf Anhieb erkannt hätte, fällt sie mir sofort wieder ins Auge. Jen hat gerade etwas besonderes vor; im Zuge der Auseinandersetzung mit Zen will sie eine Stunde lang in der Fußgängerzone verweilen, ohne dort etwas zu tun. Tun bedeutet in diesem Fall etwas erledigen, ein Ziel verfolgen, planvoll sein. Mir fällt sofort etwas ein, von dem ich mich leider nicht erinnern kann, wo ich es gelesen habe: ein  …

  • Nachgelaufen

    Ohne zu übertreiben kann ich sagen, dass ich sehr schnell gehen kann. Schailan ein­zuholen fällt mir dennoch schwer, und so haste ich einer jungen Frau hinterher, deren Gesicht ich bislang noch nicht mal, wenigstens kurz, gesehen habe. Als ich sie anspreche, und sie sich schließlich zu mir umdreht bin ich erleichtert; ich blicke in le­bendige Augen. Schailan, und das schreibt man wirklich so, lebt seit kurzem in Köln. Davor hat sie in Wien Orientalistik stu­diert. Das liegt zum Teil an ihren Wurzeln; sie selbst ist in Deutschland geboren,  …

  • Ressourcenfluch

    Themba und Ngwaugw leben in Bremen und besuchen einen Freund in Köln. Themba, links im Bild, ist vor 19 Jahren nach Deutschland gekommen. Er arbeitet in der Backstube einer kleinen Bäckerei: „Wir sind dort 7 Leute.“ Sein Freund hat für deutsche Ohren einen schwierigen Namen: Ngwaugw, das spricht man Nuangua. Er lebt seit 10 Jahren hier, ist LKW-Fahrer, und beide kennen sich noch aus ihrem Heimatland Kongo. Es ist nun das vierte mal, dass ich auf der Strasse Menschen aus Kongo angesprochen habe, und jedesmal stelle ich fest; die  …

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