Ihre Haare zu färben käme Frau K. nicht in den Sinn: „Ich glaube, dass es am besten ist, wenn man sich so sein lässt, wie man ist. Und ich bin so.“ sagt sie mit der Betonung auf dem „bin“ und sieht mir mit nachdrücklichem Blick in die Augen. Sie ist Künstlerin; „Malerei, Skulptur, Performance“. Die Performance hat auch immer mit Tanz zu tun, mit Bewegung, und die Kleidung spielt auch eine Rolle. Für Frau K. ist Bewusstsein im Leben wichtig, und Entwicklung. Auf ihrer Homepage ist zu lesen, dass sie …
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Mal eben gestrichen
Dass in dieser Woche hier im Blog quasi Sendepause ist, liegt an übermäßigem Arbeitsaufkommen. Heute will ich mich aber doch mal kurz zu Wort melden; aus aktuellem Anlass. Wie ich letztes Jahr hier bereits richtig gemutmaßt hatte, wurden wir, also das Team vom Vulkan, natürlich nicht für den Grimme Preis nominiert. Für den Deutschen Fernsehpreis, der morgen in Köln vergeben wird, hat’s aber doch gereicht. Die Nominierung des aschever- hangenen Eifeldramas gibt’s in der Kategorie „Bester Mehrteiler“. Diese Kategorie …
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Jakobsweg
Es ist ja immer wieder die Sache mit dem Kontext; an einem Samstag Nachmittag im eher hippen belgischen Viertel fällt Wanderkleidung eben mehr auf als im Eifel-Express. Annett kommt aber von viel weiter her, als nur aus dem Kölner Umland. Sie ist in den letzten 6 Wochen den Jakobsweg gewandert, bzw. teilweise auf einer Nebenstrecke: „Weil dieses Jahr heiliges Jahr ist, da ist der Hauptweg einfach zu voll.“ Annett ist auf dem Weg nach Hause, freut sich auf frische Klamotten und muss erst mal wieder ankommen hier. Den Jakobs- weg …
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Schürzenstil
Nun ist sie schon wieder vorbei meine kleine Köln-Istanbul-Ausstellung, und ich bin glücklich und auch sehr, sehr müde nach dieser schönen und intensiven Zeit. Das allerbeste waren die Tage in Istanbul; reich beschenkt mit tollen Begegnungen und Eindrücken bin ich von dort zurück- gekehrt. Dies zu feiern hier nun noch ein paar Bilder aus Kadiköy, wo Montags Markt ist. Dort gibt es angeblich die besten Lebensmittel der Stadt. Auch Sherife hat hier, gemeinsam mit ihrem Mann, einen Stand. Sie verkaufen Obst und Gemüse, und weil gerade Ramadan …
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Planänderung
Da ich momentan die meiste Zeit in der gegenwärtigen Heimstatt einiger meiner Blogbewohner verbringe, ist es mal eine ganz angenehme Abwechslung einfach abzuwarten wer so vorbeikommt, um Fotos zu machen. Dieser Dame muss ich dennoch hinterher rennen, denn gemeinsam mit ihrem Mann eilt sie zielstrebig der Seilbahn entgegen. Bestens gelaunt freut sie sich, dass ich sie fotografieren möchte und ruft ihren Mann herbei, der schon fast an der Kasse steht. Während wir draussen Fotos machen guckt er sich drinnen welche an, und liest sich sogar …
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Ehrengast
Ein Sonntag, der mit Herrn Pleuger als erstem Ausstellungsgast beginnt, kann nur schön werden denke ich mir, und damit behalte ich erfreulicherweise auch Recht. Erneut beeindruckt mich die gut gelaunte Eloquenz und Dynamik seines Auftretens, und bald schon werde ich auch endlich sei- ner Einladung folgen, auf einen Armagnac bei ihm vorbeizuschauen. Natürlich führe ich ihn erst einmal zu seinem eigenen Bild und Herr Pleuger erzählt ein bisschen von den Reaktionen die seinerzeit daraufhin kamen. Dann sieht er sich ein wenig um und entdeckt …
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Ein Zimmer und Essen
Ein Bild das momentan in meiner Aus- stellung hängt und mich immer wieder in seinen Bann zieht ist das Portrait von Adile. Ich habe sie an meinem letzten Tag in Istanbul getroffen.Wenn man Sultan- ahmet, das touristischste Viertel Istanbuls, hinter sich lässt gelangt man schon recht bald nach Kumkapi. Hierher verirren sich nur sehr selten Touristen, und ich stelle mit einiger Verblüffung den rasanten Wechsel im sich daraus ergebenden Strassenbild fest. Kumkapi ist ein armes Viertel. Viele Griechen und Armenier leben hier, aber ich sehe …
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Perspektive
Als ich noch ein Kind war, hatten wir zuhause ein Poster hängen, auf dem eine riesige, schwarze Katze zu sehen war. Das Bild war aus der Froschperspektive foto- grafiert, und die Katze lief direkt auf einen zu. Mich hat das Bild immer verstört, und in meiner Erinnerung ist das Tier noch immer nahezu elefantengroß. Die jüngste Besucherin meiner Ausstellung war heute Selma. Sie war mit ihren Eltern da, und von weit her angereist waren sie zudem; nämlich aus dem Libanon. Zu mir haben sie natürlich eher zufällig gefunden. Aber so beeindruckt …
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Endspurt
Heute abend ist es soweit: mein Projekt „Partnerlook – Vom Rhein an den Bosporus“ wird auch offline öffentlich. Wie das so ist, und egal wie früh man beginnt; am Ende ist noch immer so viel zu tun, dass die Sorge nicht fertig zu werden ständiger Begleiter ist. Das Bier steht aber schon mal kalt, vielen Dank an Veltins dafür. Und überhaupt an dieser Stelle ein Dank an alle Sponsoren die dieses Projekt ideel, finanziell oder materiell unterstützt haben. Ohne diese Hilfe wäre das alles überhaupt gar nicht möglich gewesen. …
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Niemals in Rente
Dieser Herr kann gar nicht glauben dass ich ihn fotografieren möchte; er ist sich ganz sicher, dass ich ihn bitte mich zu foto- grafieren. Herr Uysol ist Rechtsanwalt und keineswegs im Ruhestand, obwohl er 67 Jahre alt ist: „ Das wichtigste im Leben ist für mich Arbeit. Ich möchte niemals aufhören zu arbeiten. Ich möchte vielmehr arbeiten bis ich tot bin. Wenn ich nicht mehr arbeiten kann sterbe ich, da bin ich mir sicher.“ Das hat er auch bei Kollegen schon beobachtet: „Die sind in Rente gegangen und kurz danach sind sie gestorben. Für …
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Schreiben Sie Hausfrau
Früher gab es noch ganz normale Berufe. Da war man Hausmeister, Industriekaufann oder Filialleiter. Heute sagt man dazu Facility Manager, Key Account Manager oder Store Manager. Es gibt Production Engineers, Buyer und Controller. Da muss man schon mal nachfragen, was eigentlich ge- meint ist. Diese Dame übt die Tätigkeit einer Service Coordination Managerin in der Druck-Branche aus. Sie vermittelt Grafiker an Druckereien: „Wenn zum Beispiel eine Druckerei aus Bulgarien einen Grafiker braucht..“ Weil ich mir ihre …
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Spettatori
Anfang März, als es noch kalt war, hab ich Marie-Joëlle das erste mal getroffen. Nun ist Anfang September und es ist schon wieder kalt. Marie Joëlle ‚in sommerlich‘ hab ich also leider vepasst. Allerdings war sie sowieso kaum in Köln; mit ihrer The- atergruppe „Spettatori“ ist sie ganz schön rumgekommen. Unter anderem waren sie, eingeladen von der russischen Botschaft, in Moskau und anschließend in Beslan. Dort hat 2004 die tragische Geiselnahme in einer Schule stattgefunden, die über 300 Menschen das Leben gekostet …
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Weder falsch noch alleine
Anil ist einer der ersten die ich in Istanbul fotografiert habe. Ich treffe ihn Samstag- abends in Beyoglu auf der Istiklal Caddesi; der Fußgängerzone und Hauptader des Stadtteils. Besonders am Wochenende sind hier abends und nachts unglaublich viele Menschen unterwegs, das Istanbuler Nacht- leben hat es in sich. Passenderweise be- deutet Istiklal Caddesi auf deutsch Strasse der Unabhängigkeit, denn genau dieses Thema liegt Anil sehr am Herzen. „Ich selbst zu sein, oder es zu werden, das ist für mich das wichtigste. Unabhängig zu …
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Pferdekutsche
Wenn man eine sehr große Stunde mit der Fähre von Kadiköy fährt, dann gelangt man schließlich zu den Prinzeninseln. Die größte heißt Büyükada und dort fahren keine Autos. Wer sich also fortbewegen möchte, muss, oder besser kann, mit der Kutsche fahren. Über 260 gibt es hier davon, und der größte Teil des Geschäftes besteht da-rin Urlauber über die Insel zu kutschieren. Ramazan ist einer der vielen Kutscher, und das bereits seit 50 Jahren. Früher hat er im Winter auf der Werft gearbeitet und dort Schiffe angestrichen. Das macht er heute …
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Deutsche Fremdwörter
Am Tag vor meiner Reise nach Istanbul begegne ich Wolfgang. Er ist ein Kind des Ruhrpotts, mit entsprechendem Dialekt und einer Stimme die stark an den „Nicht- raucher“ aus dem verfilmten Kinderbuch- klassiker „Das fliegende Klassenzimmer“ von 1973 erinnert. Heute arbeitet Wolf- gang als Speditionsfahrer; gelernt hat er Betriebsschlosser im Bergbau. Diesen Beruf gibt es heutzutage gar nicht mehr, man sagt nun Industriemechaniker. Während Wolfgang mir erklärt was seine Aufgaben waren bin ich zunehmend erstaunt; zum …












