• …nichts anders, außer das Gesicht

    Fiona alias Fiona Famous „Wenn junge Männer werden“ hieß eine Theatergruppe meiner Heimatstadt, da­mals, als die ganze Welt gerade Anfang 20 war. Den Namen fand ich stets so treffend wie verwirrend, denn irgendwas ist ja nicht ganz korrekt an diesem Wortgebilde. Drei junge Männer waren es, die da „wurden“, und das beeindruckendste an ihnen schien mir damals ihr Mut zum Ausdruck. Ausgedrückt wurde was nahe lag; ehrlich gesagt kann ich mich nicht an Details erinnern. Es war eher die Wucht die eben jenem Ausdruck  …

  • Dornen. Und Rosen

    „Wer es nicht wagt, den Dorn zu fassen, sollt‘ jede Sehnsucht nach der Rose welken lassen“ lauten zwei Zeilen eines Gedichtes von Anne Brontë.Twydall ist 22 und dieses Zeilen sind für ihn eine Art Leitmotiv im Leben, dass, um im Bild zu bleiben, schon so manche Dor­nen für ihn bereitgehalten hat, die aller­dings keineswegs, wie man nun annehmen möchte, immer zu Rosen gehört hätten. Als Twydall noch keine 18 war hat er in einem kleinen Gebüsch inmitten eines Kreisverkehrs gewohnt. Seine Mutter hat er im Glauben gelassen,  …

  • …tief in die Tasten

    Eher selten kommt es vor, dass ich hier über mich selbst berichte. Natürlich trete ich, quasi über Bande, neben den Por­traitierten, immer auch in Erscheinung. Durch die Fotos, die Texte, durch die Auswahl der Personen, die ich auf der Straße anspreche.In guter, will sagen großer Gesellschaft befinde ich mich vermutlich, wenn ich nun schreibe, dass ich dazu neige, mein Tun, dessen Wert oder vielleicht auch nur den Aufwand, gering zu schätzen.Nicht nur viel Zeit, wie mir unlängst durch ausgiebigen Mangel an eben jener mehr als deutlich  …

  • …de Trebb erop

    Karl ist 76 Jahre alt und genauso lange lebt er schon in Ehrenfeld. „Aber natürlich nicht im gleichen Haus“ sagt er. Was sich hier so hochdeutsch liest ist einer von wenigen Sätzen die Karl nicht für meine – und das möchte ich betonen – durchaus dialekt­affinen Ohren wiederholen muss. „Tiefes Kölsch, also der unverfälschte Dialekt, wird heute nur noch von wenigen, zumeist älteren Kölnern gesprochen, die ihren Wort­schatz noch ohne moderne Kom­munikationsmedien in der Kindheit bilden konnten.“ weiß  …

  • Die nahe Zukunft für Spätentschlossene

    Für Spätentschlossene, die ihre nahe Zukunft noch nicht verplant und somit zur freien Verfügung haben, oder jene, die ebendiese spontan umgestalten wollen, können oder müssen empfehle ich das 6 monatige Weiterbildungsprogramm Kostümbild der ifs.  Weiter gehts, bitte hier entlang… Der Lehrgang beginnt im November 2012 und richtet sich an Filmschaffende mit Erfahrung im Bereich Kostümbild; z.B. also Kostümbildassistent/inn/en oder Garderobieren. Aber auch Absolvent/inne/en eines themenverwandten (Grund-)Studienganges wie  …

  • Traumberuf: Binnenschiffer

    „Als mich der Lehrer in der Schule gefragt hat, was ich werden möchte, habe ich geantwortet: Binnenschiffer. Ich wußte das als Junge schon und ich hab immer gesagt: Ich will Binnenschiffer werden und das werde ich auch.“ 1948, als Herr Krupp gerade 14 Jahre alt war hat er als Schiffs­junge seinen Berufswunsch wahr werden lassen. Da sei er aber nicht lange zur Schu­le gegangen, sage ich und Herr Krupp ant­wortet: „Ne, damals waren andere Zeiten. 8 Jahre Volksschule, mehr hab ich nicht. Ich bin nie auf eine höhere Schule  …

  • Tarlabaşi, Istanbul

    Bevor ich 2010 das erste Mal nach Istanbul gereist bin habe ich neben allerlei Tips, was ich mir dort unbedingt ansehen müsse auch den eindringlichen Rat bekommen, einen Stadtteil auf jeden Fall zu meiden: Tarlabaşi. „Da hat sich lange Zeit nicht mal die Polizei reingetraut“ lautete der finale Satz des Ortskundigen, dem die eine oder andere bildhafte Beschreibung vorange­gangen war, mit welchen misslichen Situ­ationen zu rechnen sei, sollte ich dennoch einem Besuch des Viertels nicht wider­stehen können. Wo genau der  …

  • Lifetime Mod

    „Ein richtiger Mod zu sein ist keine Phase sondern eine Lebenseinstellung.“ George hat sich in seiner frühen Jugend ent­schieden ein Mod zu sein: „Es war die Musik, die man vorher noch nie gehört hatte, die Haltung dem Leben gegenüber.“ Mods wollten nicht das vorhersehbare und durchgeplante Leben ihrer Eltern wieder­holen: „Wir wollten frei sein und die Dinge so machen, wie wir sie richtig fanden. Und auf keinen Fall so leben wie unsere Eltern.“ George war in den frühen 60igern eigent­lich noch zu jung  …

  • Vorgestern, gestern und heute

    Erst seit wenigen Jahren lebt Ruth, die ich vor gut 3 Monaten in aller Eile angesproch­en und fotografiert habe, in Brighton. Das war ihr Traum und Wunsch, den sie sich selbst erfüllt hat. Fotografiert zu werden ist ihr etwas pein­lich und gleichzeitig amüsiert es sie sehr, dass ich gerade sie anspreche. Sie kann nicht recht verstehen, was ich an ihr finde. Ich versichere ihr, dass ich sie ganz bezau­bernd finde und versuche zu erklären, dass ich immerzu Menschen auf der Straße anspreche.Zum Abschied gibt mir Ruth den Tip unbe­dingt die  …

  • Urlaub in Stiefeln

    Abeo macht Urlaub. Und ein wenig Zeit da­von hat er, wie viele andere auch,  dem Kölner Dom gewidmet.Mit etwas Abstand und skeptischer Miene hat er sowohl den Dom als auch das teure Geschäft davor im Blick, in das seine mutmaßlichen Anverwandten entschwun­den sind, während ich wiederum ihn im Blick habe. Ich überlege, ob jemand der so mexikanisch aussieht wohl auch tatsächlich Mexikaner ist. Und während ich einerseits fest damit rechne, dass er gleich mit einer Antwort im breitesten bayrisch untermauert, wie sehr man doch mit seinen  …

  • Ohne dieses Niederknien

    „Wissen Sie, ich bin eine gläubige Christin. Das gibt mir Halt.“ antwortet Frau K. auf meine Frage, wie sie im Alter ihr Leben lebt. Frau K. ist 81 Jahre alt und war 45 Jahre lang berufstätig: „Als kaufmännische Angestellte.“ Sie fühlt sich fit, auch wenn sie kein Fahrrad mehr fahren kann: „Ich bin mein Leben lang Fahrrad gefahren, heute geht das nicht mehr. Ich fahre aber noch Auto.“ sagt sie und schlägt vor, dass ich sie neben ihrem Auto fotografiere.Als Mensch, der zwar in einer christlich  …

  • Und nun: Rechtliches

    Mein Blog ist um eine Unterseite reicher: hier finden sich nun ein paar Hinweise zum Thema Rechtliches. Genauser gesagt zu den Themen Urheber- und Persönlich­keits­recht. Und ein paar Worte zum Findungsprozess habe ich ebenfalls niedergeschrieben: „Olivenbäume und Antworten brau­chen Zeit“ lautet die Überschrift des ersten Kapitels von Rafik Schamis Roman „Die dunkle Seite der Liebe“.Dieser Aphorismus geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Weniger wegen einer ausge­prägten Affinität zum Olivenbaum an sich, als vielmehr  …

  • Hochzeitsreise

    So frisch und unvermittelt mein Wunsch ist, nach Applecross an Schottlands West­küste zu reisen, so zweifelsfrei hat er sich bereits an einem sicheren Plätzchen in mir eingenistet. Und das liegt an Ruairidh. Für deutsche Ohren ungewohnt erfordert die Aussprache dieses seltenen gälischen Namens eine gewisse Zungenfertigkeit: simpel ausgedrückt spricht es sich ähnlich wie Rudi, erklärt mir Ruairid entgegen­kommend. Wobei das „d“ darin einem gerollten „r“ ähnelt. Bei jenen die fähig sind ihrer Aussprache einen  …

  • „Typisch Tussi“

    Um es gleich vorwegzunehmen; die Über­schrift beschreibt weder Melani im roten Kleid noch ist sie ein Spiegel meiner per­sönlichen Meinung. Eigentlich lässt die darin enthaltene Aussage sogar jeden An­spruch auf Wahr- oder gar Wahrhaftigkeit vermissen.Am treffendsten lässt sich die Überschrift wohl in die Kategorie Projektion einsor­tieren. Wer sich schminkt, frisiert und hübsch macht, sich bei der Wahl der Kleidung Zeit nimmt oder Mühe gibt, dem wird nicht selten Eitelkeit und Oberfläch­lichkeit nachgesagt, wobei diese Begriffe natürlich  …

  • Companions

    „Das Wichtigste im Leben ist, einen Ge­fährten zu haben, einen Freund“, das sagt John aus New Castle in Nord-England und seine Frau Helen lässt an irgendeiner Stelle leise aber wirkungsvoll das Wort Liebe in seinen Satz hineinfallen. Liebende Gefährten sind die beiden seit über 50 Jahren, in denen sie völlig unter­schiedlichen Berufen nachgegangen sind: Helen war Richterin im Strafrecht, John Ento­mologe, zu Deutsch Insektenforscher.Begegnen konnten sie sich trotz oder gerade wegen dieser Verschiedenheit immer gut: „Man  …

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