Andreas habe ich zwar auf der Strasse getroffen, allerdings nicht zufällig, wie die meisten der hier im Blog versammelten, sondern in voller Absicht und mit Uhrzeit. Andreas und mich verbindet eine Netzbekanntschaft, entstanden weil uns, quasi als Kennenlern-Vehikel, ein gemeinsames Interesse verbindet: das Heliosgelände in Köln Ehrenfeld. Dort soll, wenn es nach den Plänen des Investors geht, eine ShoppingMall mit 20.000 – 30.000 m² Verkaufsfläche errichtet werden. Gegen dieses Vorhaben hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, in …
-
-
Echt Pleuger
Mit diesem Herrn feiert heute meine Lieblingsrubrik in diesem Blog Jubiläum. 100 Menschen die ihren 65. Geburtstag deutlich hinter sich gelassen haben sind hier bereits als die Vorhut vereint. Und der aufmerksame Leser weiß, wie sehr mir gerade diese Begegnungen am Herzen liegen. Den Damen und Herren im fortgeschrittenen Alter wohnt häufig eine ganz wunderbare Eigenschaft inne; sie nehmen sich ernst, aber nicht so wichtig. Auf die eine oder andere Weise mit der Schwere des Lebens vertraut strahlen sie oft zugleich eine …
-
Seile, Seile, Seile
Luza lebt in Marseille, kommt eigentlich aus Ungarn und in Köln hat sie einen Schrebergarten. Ab und an kommt sie deswegen her: „Ich habe hier auch Freunde, die sich sonst um den Garten kümmern.“ Luza vermittelt eine so selbstverständliche Entspanntheit, dass mir gar nicht in den Sinn kommt zu fragen, wieso sie ausgerechnet in Köln einen Schrebergarten hat. Luza hat Textildesign in Budapest studiert, und momentan verknüpft sie Design, Kunst und persönliche Neigung, und zwar im Wortsinn: „Seile, Seile, Seile“ …
-
Mit Frau E. ins Café
„So alt zu werden hat auch seine Nachteile. Alle sterben vor Ihnen, und Sie sind dann alleine.“ Das sagt Frau E. die ich nach langer Zeit wiedertreffe. Im Oktober 2009 habe ich sie, fast an der gleichen Stelle, schon einmal fotografiert. Seitdem habe ich oft an Frau E. gedacht, und mich gefragt wie es ihr wohl gehen mag. Als ich sie nun wiedersehe ist sie auf dem Weg zu einem Geburtstag, und sie hat nicht viel Zeit. Aber wir verabreden, dass ich ihr die Fotos von diesem und vom letzten Mal bringe, und wenige Tage später besuche …
-
Who knows tomorrow?
Andere Länder, andere Namen; Menschen mit Namen, die für westliche oder europäische Ohren ungewohnt oder schwer zu verstehen sind haben oftmals einen zweiten Namen, der diese Hürde galant umgeht. Chris heißt also eigentlich Amaechi, (oder ist es doch umgekehrt, ich weiß es nicht). Amaechi ist ein nigerianischer Name, und hat folgende weise Bedeutung: No one knows tomorrow, oder auch als Frage formuliert: Who knows tomorrow? Für das Morgen, und die Zeit danach, hat Amaechi Pläne und Wünsche, seine Gegenwart nutzt er zu deren …
-
Shape of things
Seit dem 30 Juni 2010 gilt Köln als vierte Millionenstadt Deutschlands. Xijia ist für ein halbes Jahr hier, um an einer Schule Deutsch zu lernen. Vorher war er für 4 Jahre in New York um Mathematik zu studieren; mit 8 Millionen Einwohnern immerhin die größte Stadt der USA. Ganz andere Dimensionen kennt Xijia allerdings aus seiner Heimatstadt Shanghai: dort leben über 23 Millionen Menschen. China ist ein Land im steten Wandel, erklärt mir Xijia: „Es wird sehr viel gebaut dort. Überall sind Baustellen, und alles ist dauernd neu und …
-
Zeitreise
Kürzlich kam „Kleider machen Deutsche“ in der ARD, eine zweiteilige Dokumentation über „Kleidung im Spiegel der Zeiten“ von Katarina Schickling. Leider habe ich beide Teile verpasst, was ich höchst bedauerlich finde. Deswegen nun die Frage: Wer hat’s gesehen? Seit 44 Jahren gibt es das Atelier Irene, seit 35 Jahren befindet es sich in der Landmannstrasse: „Und so lange gibt es auch schon den Schriftzug hier an der Scheibe“ verrät Frau Irene, und freut sich über die gute Qualität. Wer im Atelier …
-
Publikum
Frau S. ist zu Besuch in Köln und bis zu ihrer Abreise am Abend hat sie noch zwei Ziele: „Ich möchte mir das Richter-Fenster im Dom ansehen, und danach ins Museum Ludwig.“ Mit diesen beinahe beiläufigen Äußerungen beginnt unser Gespräch, in dessen Verlauf mir rasch klar wird, dass Frau S. sich in ihrem Leben immer sehr der Kunst gewidmet hat. „Sich delektieren“ ist das Wort, das sie gebraucht um zu beschreiben, was sie an der Kunst so fasziniert. Sich erfreuen, ergötzen, sich laben, sich gütlich tun, so erklärt der …
-
Tutanchamun
Als ich Frau M. frage ob ich sie fotografieren darf, und ihr erkläre wofür, lacht sie kurz und sagt: „Ha, da sind sie richtig bei mir. Heute ist mein erster Ausflug seit sechs Jahren. Und ich genieße ihn sehr.“ Vielleicht ist es genau das, was meine Aufmerksamkeit gefangen genommen hat; Frau M. hat sich sehr genau umgesehen, bei jedem Schritt. An diesem besonderen Tag hat sie sich eine lang gehegte Sehnsucht erfüllt: die Tutanchamun-Ausstellung, die derzeit in Köln verweilt. „Ich hab ein Faible für Ägypten, obwohl ich …
-
Mentor
Zwischen dem ersten und dem zweiten Studium von Herrn Müller liegt ein langes, intensives Berufsleben. Als er mit 66 Jahren pensioniert wurde („…ich hätte ja lieber noch weiter gearbeitet, aber das ging nicht.“) hat er einfach noch mal 9 Semester studiert. Und zwar das gleiche wie beim ersten Mal: Chemie. „Es hat sich ja so vieles geändert.“ Allerdings bleibt auch einiges beim Alten, wie Herr Müller betont: „Wenn man von der Uni kommt, dann hat man zwar einen Abschluß oder ein Diplom. Aber …
-
Spieltrieb
Linda kommt eine der schönsten, kleinen Strassen Kölns entlang gelaufen, in die sie perfekt hinein passt. Aber ich bin abgelenkt und sehe sie erst, als sie schon fast an mir vorbei ist. Sie biegt ab und verschwindet im Drogeriemarkt. Dort bleibt sie sehr lang, und ich muss an Herrn Z. denken, den ich kürzlich in derselben Strasse fotografiert habe. Auch auf ihn habe ich ausgiebig vor einem Geschäft gewartet. Linda hat gerade Abitur gemacht, und nun überlegt sie, wie ihr Leben weiter geht: „Das ist eine wichtige Zeit für mich …
-
Evolution
Mein täglicher Museumsbesuch hat mich vorgestern nach Bonn in die Kunst- und Ausstellungshalle geführt. Dort zu sehen ist momentan eine große Max Liebermann Schau. Einen Künstler in nur einem Satz beschreiben ist schlicht nicht möglich. Ich machs trotzdem kurz: Wegbereiter in die Moderne lautet der Untertitel der Ausstellung, und was mich persönlich beschäftigt sind seine Portraits von Menschen – auch die der eigenen Person. Er hat nicht beschönigend gemalt, zB. die Spuren des Alters gezeigt, und ist damit in einer Zeit der …
-
Museumsmann
Seit 20 Jahren arbeitet Herr O. im Museum als Wache. Er ist sogar Objektleiter, und zwar im Museum für angewandte Kunst in Köln. Dort läuft zur Zeit die Ausstellung The Art of Pop Video, von der ich mir heute wenigstens kurz einen ersten Eindruck verschaffen wollte. Reichlich spät bin ich an der Kasse erschienen, wo Herr O. gerade bei der Kollegin stand, und mich mit ermunternden Worten empfangen hat: „Ja, ein bisschen was schaffen Sie schon noch.“ Anschliessend bin ich mit ihm im Fahrstuhl hoch in den 2. Stock gefahren, …
-
Alles, alles
Kenta ist mit einem Freund unterwegs, die beiden reden japanisch miteinander, also spreche ihn ihn auf englisch an. Er spricht aber deutsch, denn er lebt in Köln und studiert mediale Kunst an der KHM. Dort wird der Zugang zu den unterschiedlichsten Disziplinen ermöglicht: Videoinstallation, Klang/Sound, Lichtmedien, Performance, interaktive Dramaturgien, mediale Szenografie, um nur mal ein paar zu nennen die für Kenta, der sich als Sound- und Videoartist begreift, von Interesse sind.Meine Frage ob er als Student der Kunst gern ins Museum …
-
Vom weglassen…
Mit wippenden Rüschensäumen nähert sich Frau M. dem Eingang eines Hotels, und erst als sie schon fast darin verschwunden ist habe ich sie endlich eingeholt. Es kommt nur selten vor, dass ich jemanden anspreche ohne ihm oder ihr vorher in die Augen gesehen zu haben. Wie soll ich mich verhalten, wenn mir nicht gefällt, was ich da sehe? Ohne unhöflich oder seltsam zu wirken?Frau M. dreht sich um, ich trage atemlos mein Anliegen vor, und dann reden wir ein wenig. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell bzw. übergangslos man auch mit Fremden …














