Sehen und Malen

Etwas zu machen, zu erschaffen und es dann zu zeigen und es im Zeigen mit anderen zu teilen, das macht für Ronja Sinn. Denn so erfährt oder lernt man etwas, man bekommt Impulse, man gibt Impulse – so entsteht Bewegung.
Wichtig ist Ronja eine offene, annehmende Grundhaltung: „Früher an der Uni, wenn wir Bildbesprechungen hatten, haben viele ihre eigenen Sachen schlecht gemacht und abgewertet. Ich mache das nicht.“ In ihren Augen ist das nicht die richtige Betrachtungsweise. Natürlich findet Ronja nicht alles toll, was sie so tut – oder auch was sie nicht tut, aber vielleicht tun sollte. Sie setzt sich mit sich, den Umständen in ihrem Leben, mit ihrer Kunst, mit ihren Bildern und mit anderen Menschen auseinander. Aber der Moment spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Situation, in der man gerade ist, beeinflusst das eigene Handeln, Denken, Fühlen und Sein. Also versucht sie anzuerkennen, dass ihre Bilder und Fotos Ausdruck dafür sind, was sie jetzt gerade beschäftigt, wie sie zu etwas steht, was in ihr los ist und welche Form des Ausdrucks gerade möglich, passend oder richtig ist.

Ronja Auferkorte ist Künstlerin. Sie malt, sie fotografiert; manchmal kombiniert sie beides. Manchmal entsteht aus dem einen das andere. Einen Einblick in ihr Schaffen bekommt man auf ihrer Website oder bei Instagram. Außerdem gibt es einige Orte in Köln und München,
an denen Bilder und Fotos von ihr zu sehen sind, und bis zum 24. April läuft noch ihre Ausstellung im Cranachzentrum in Köln-Nippes.

 

Immer wieder malt Ronja Tiere. Gorillas, Lamas, Alpakas, Haie. Neulich hat sie einen Hummer gemalt:„Natürlich einen lebendigen,“ und im letzten Jahr auch mal ein schwimmendes Schwein. „Mir geht es beim Malen nicht um geheimnisvolle oder tiefsinnige Bilder, ich male eher, wie ich das Alpaka eben sehe. Jeder sieht ja etwas anderes.“ Ronja liebt Tiere, sie liebt ihre Würde, ihre Unverstelltheit, den Humor und den Witz, den sie in ihren Gesichtern haben. Mit ihrem Pinselstrich, den Farben, die sie auswählt, mit ihrer Art die Farben aufzutragen, mit dem Licht, das sie dem Bild verleiht findet all das Ausdruck – wortlos und unaufgeregt. Mit ihren Bildern schickt Ronja ihren Blick in die Welt hinaus: „ …und vielleicht bringt das ja bei jemandem etwas in Gang oder zum klingen…“.

Ronjas Bilder beginnen oft mit einem Foto, das sie zum malen nutzt. Die Alpakas, die sie gerade malt, hat sie in Österreich fotografiert.  „Früher dachte ich immer die großen Maler haben alles im Kopf, die malen nichts ab. Aber das stimmt nicht, denn dann entgehen einem ja die ganzen Feinheiten, die man sich nicht alle merken kann, die aber wichtig sind.“ Malen ist sehen –  genau hinsehen – es ist visuelles zuhören. Malen ist auch erzählen, es bedeutet zu teilen wie und was man sieht.

„Viele nutzen ja beim Malen ihre Stimmung, also die Energie die darin liegt. Sie malen wenn sie wütend oder aufgebracht sind und arbeiten genau damit.“ Bei Ronja ist es anders, sie kann gerade dann nicht gut malen. „Ich habe festgestellt, dass ich nur dann male, wenn ich in einer ausgeglichenen Stimmung bin.“

Eine Frage die beim Malen immer wieder auftaucht: Wann ist ein Bild eigentlich fertig? Das Bild der beiden Alpakas ist es für Ronja jedenfalls noch nicht. Sie arbeitet noch am Ausdruck im Gesicht des hellen Alpakas.

„Ja, so…“ sagt sie irgendwann und wendet sich mit breiterem Pinsel dem Hintergrund zu.

04.02.2020

7 Comments

  • Anna Mantei sagt:

    Hach, es passt gerade so gut! Einfach danke!

  • Simone sagt:

    Ach was schön.

  • Konzertheld sagt:

    Wie schön. Ich weiß gar nicht, wie lange es her ist, dass ich etwas von dir gelesen habe, aber dann erreichte mich der Beitrag zum Blog-Umzug und nun bin ich froh, hier wieder lesen und schauen zu können.

    Ich mag Ronjas Gedanken. Man muss gerade in der Kunst nicht alles mögen, aber wenn man nicht offen heran geht, bekommt man gar keine Chance dazu. Und wenn man gegenüber seinen eigenen Schöpfungen nicht offen ist, verwehrt man sich selbst Chancen, und das ist doch schade.

    Eine kleine technische Anmerkung: Hier bei mir ist der Kontrast des Kommentarfeldes und aller dazugehörigen Felder seeeehr niedrig durch die helle Schriftfarbe. Ich kann’s trotz Brille kaum lesen. Wenn du das nächste Mal schraubst, wirf doch mal einen Blick darauf. 🙂

    • Smilla sagt:

      Hallo Konzertheld! Danke für deine netten Worte und wie schön dich hier begrüßen zu können!
      Danke auch für den Hinweis mit dem Kommentarfeld, bei mir ist die Schriftfarbe gar nicht so hell, seltsam. In welchem browser bist du unterwegs? ich werde das mal verfolgen… derzeit wird auch der link zur eigenen Seite nicht angezeigt, obwohl ich von Menschen weiss, die ihn da ins Feld getippt haben…
      Ja, es muss ich alles noch zurecht ruckeln…
      liebe Grüße!

      • Konzertheld sagt:

        Huhu, das ist Firefox bei mir. Ich habe schonmal geschaut, ob es vom Browser kommt, aber nein, die Farbe ist so im CSS definiert. Entsprechend sieht es in Chromium auch genauso aus. Vermutlich haben wir einfach unterschiedliche Monitore. 🙂 Und stimmt, auch ich hatte meine Website angegeben. Ach, das wird schon alles noch. 🙂

  • birgit brabetz sagt:

    so ein schöner bericht
    das schwimmende schwein hat mich mitgerissen – so toll

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