• Sisters

    Der Turban lässt mich nicht los und so komme ich an dieser jungen Frau nicht vorbei ohne sie anzusprechen. Sie heißt Mamadee und ist Sängerin. Zum einen singt sie als Backgroundsängerin bei ‚Gentleman‘, aber als Solokünstlerin ist sie genauso unterwegs. Außerdem ist sie Teil von Sisters, einem Projekt das aus den Brothers keepers hervorgegangen ist, bei dem auch dieser junge Mann mitmischt, den ich letztes Jahr fotografiert habe ohne zu wissen wer er ist. ‚Gemeinsam gegen Rassismus‘ lautet die Devise in Kurzform.  …

  • Original und Fälschung

    Schwule Männer sind in Köln nichts unge- wöhnliches; Trachten, wie bereits erwähnt, hingegen schon. Momentan finden hier die Gay Games statt; neben Menschengruppen im Sportlerdress sieht man jetzt noch mehr Schwule, und vor allem auch Lesben, die allerorten unterwegs sind. Und nicht immer ist es ein Trachtenkostüm, das, bezogen auf die Kleidung, verrät dass es sich um Besucher handelt. Ich muss sagen, ich bin froh in einer Stadt zu leben in der Homo- sexualität so normal ist. Der junge Mann links im Bild kommt aus Salzburg: „Da wirst  …

  • Windkanal

    Björn sitzt mit einem Freund zusammen und guckt Urlaubsbilder an. Die Bilder sind von 2003 und er sieht sie grad zum ersten Mal. Deswegen kann er gar nicht damit aufhören, und irgendwie scheint auch ungeklärt wie die Fotos plötzlich aufge- taucht sind; der Freund hat sie gefunden und mitgebracht.Das heitere Beruferaten will ich hier nun gar nicht fortsetzen, auch wenn es sich förmlich anbietet. Ich hätte getippt dass Björn studiert, aber falsch; er ist Ingenieur und arbeitet an der Entwicklung von Trans-portflugzeugen im Windkanal. So ein  …

  • Teufelskerl

    Tobi’s bunter Karomix löst bei mir sofort den Fotoreflex aus und ich beeile mich ihn einzuholen. Er schlägt vor dass wir das Foto vor der großen Glasfront machen; “ …weil die auch kariert ist.“ Soviel, und vor allem so schneller Sinn für’s Bild er- staunt mich, allerdings nur kurz: Tobias ist Stuntman beim Film; außerdem tätowiert er andere Menschen, und mit Airbrush arbeitet er auch noch. Wer bei seinem Beruf nun denkt er wäre ein tollkühner Hasardeur der irrt; aus eigenen Beobacht- ungen am Set kann ich  …

  • Stumme Zeugen

    Mike ist aus Amsterdam und schon vor Melt-beginn auf dem Ferropolis-Gelände weil Freunde von ihm dort spielen. Er ist ein ausgesprochener Festival-Typ und all die bunten Bändchen an seinen Armen sind stumme Zeugen wilder Open-Air-Nächte. Wenn er alle Einlass-Bändchen anbehalten würde wären seine Arme voll davon, sagt er. Mike ist Lehrer und auch er denkt dass weniger die Vermittlung von Wissen seine eigentliche Aufgabe ist, als vielmehr die Schüler zu ermutigen frei zu denken, zu sich selbst zu stehen und Andere anders sein zu lassen. Das  …

  • Side-crew-latein

    Das ist Stechhahn, kurz Stechi. Sein Name kommt aus frühester Jugend und hat mit Fass anstechen zu tun. Als ich ihn das erste Mal fotografiere ist er grade auf dem Weg zum Catering-Zelt. Beim 2 Mal will er auf keinen Fall mit leeren Händen dastehen und posed ein bisschen herum. Seinen Bart hat er, damit er nicht wie 15 aussieht, sagt er und lacht; das tut er eigentlich immer wenn ich ihn sehe (…oder er mich??). Das Spaß auch seine Antwort auf meine Frage ist, brauche ich vermutlich nicht zu erwähnen. Beim 3. oder 5 Mal als ich ihn  …

  • Möglichmacher

    Das ist Schuh, ganz leicht abzulesen an der Tätowierung am Hals. Dass in all den Bau- und Technikteams beim Melt zahlreiche ungewöhnliche Namen anzutreffen waren habe ich ja bereits erwähnt. In diesem Fall leitet sich der Rufmname vom Nachnamen ab, also ganz simpel eigentlich. Oftmals aber sind die Geschichten zum Namen etwas umfangreicher, und ähnlich wichtig wie der Name selbst. Den Namen seiner Angetrauten hat Schuh sich übrigens auch auf den Hals tätowieren lassen; mit Herz. Seit 11 Jahren ist er verheiratet und hat 2 Kinder. Familie  …

  • Behind the digger-scenes

    Um mal was persönliches zu erzählen: Wenn ich als Kind einen Film im Fernsehen gesehen habe (vorzugsweise Derrick) dann habe ich immer überlegt wo wohl die Lampen stehen. Denn ich wußte sie sind da; man sieht sie nur nicht. Ich habe mich auch immer gefragt, wer wohl die Men- schen sind, die da im Nachspann aufge- führt sind. Das ist sicher mit ein Grund für meine Berufswahl. Auf jeden Fall aber stell‘ ich immer wieder fest; mein Herz gehört den Helden im Hintergrund. Deswegen hier nun, quasi zum wieder-aufwärmen, meine  …

  • Kurze Unterbrechung…

    Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt; durch eine unvorhersehbare Verkettung glücklicher Umstände, um die es an dieser Stelle nicht gehen soll, befinde ich mich derzeit im Osten der Republik auf einem ehemaligen Tagebau- gelände. Hier findet ab morgen das all- jährliche Melt-Festival statt, und zwar schon zum 13 mal. Das ist eine Zahl die mir am Herzen liegt, und vielleicht ist das der Grund dafür dass es dieses Jahr zum ersten Mal eine Crew-Fotografin gibt; und das bin erfreulicherweise ich selbst. So laufe ich nun bei  …

  • Headwrap

    Jenny ist mir schon vor ein paar Tagen aufgefallen. Allerdings war da überhaupt keine Zeit sie anzusprechen; deswegen freue ich mich, als ich sie in einer Wohn- gegend in der ich überhaupt nicht damit gerechnet hätte, plötzlich wiedersehe. Und irgendwie hat eben jene Wohngegend im Hintergrund ihren ganz eigenen Charme, den zu ergründen mir bislang allerdings nicht gelungen ist. Jenny studiert Ethno- logie und Afrikanistik, um dann später vielleicht in die Entwicklungshilfe zu gehen. Ihr Vater stammt aus Ghana und weil ich sie vor dem Spiel  …

  • Schwarze Sonne

    „Im Sommer schwarz zu tragen ist gar nicht so leicht“ verrät mir diese Dame, die mich spontan an ein Gemälde von Modigliani denken lässt. Aber sie kann nicht anders und trägt nur und aus- schliesslich Schwarz: „Ich gehöre zu der Generation, die Juliette Gréco verehrt. Damit hat es viel zu tun, dass ich stets in schwarz gehe.“ Schwarz, die Farbe der Existentialisten, der Intellektuellen, der Kreativen; Juliette Greco hatte den Bei- namen „schwarze Sonne“, der dem Bild des nur morbiden, düsteren und  …

  • Retro-spektiv

    Am Mittwoch war der große Grimme-Tag, der vor allem abends stattgefunden hat und von dem ich spät nachts, oder besser sehr früh morgens, zwar ohne Preis aber mit einem bunten Strauß an Eindrücken, Erlebnissen und Begegnungen heimgekehrt bin. Hier zu sehen ist zum Beispiel Henning, die eine Hälfte des sichtbaren Teils von Retro-TV, denen später am Abend die Nachricht, dass sie in der Gunst des Publikums an 2.Stelle standen, ein glückliches Lächeln auf’s Gesicht zaubern konnte. Bevor es aber mit der Verleiherei losging habe ich Henning  …

  • Mädchenwahn

    Izabella kommt aus Saarbrücken und ein bisschen hört man’s auch. Sie ist mit einer halben Wagenladung voll selbstgemachtem und einer Freundin, deren ebenfalls selbstgemachte Kreationen, in der anderen Hälfte Platz gefunden haben, nach Köln zum SuperMarkt gefahren, der, wie schein- bar alles im Moment, im Rahmen der c/o Pop stattgefunden hat. Izabella näht aus Altem Neues; sie recycelt zum Besispiel Hemden, Röcke und alles was ihr an Stoff in die Finger kommen. Es entstehen Taschen, Kissen, Etuis; aus den letzten Resten bastelt sie  …

  • Familienbesuch

    Dieser Herr heisst Yusuf und kommt aus dem Südosten der Türkei; aus der Stadt Adiyaman. Dort hat er sein Leben lang Lämmer, Kühe und Schafe auf dem Markt verkauft. Jetzt ist er Rentner und besucht gemeinsam mit seiner Frau seinen Sohn, der in Köln lebt. Seit acht Wochen sind sie schon hier und in wenigen Tagen geht es endlich wieder heimwärts. Wichtig im Leben ist ihm die Gesundheit, und die seiner Kinder, und seine Kinder überhaupt. Das alles erzählt er mir in fließendem türkisch und natürlich verstehe ich kein Wort. Trotzdem sieht er mir  …

  • Cilgin

    Cenk habe ich schon mal fotografiert; zusammen mit seinen beiden Freunden Dino und Volcan. Damals hat er mir von der Sendung erzählt, die er inzwischen mo- deriert, und mich quasi vorab schon mal eingeladen sein Studiogast zu sein. Am Samstag war nun der große Tag; eine Stunde lang hab ich ihm in der Sendung Cilgin im Funkhaus Europa mit Kopfhörern auf den Ohren gegenübergestanden.Wer die 3 ausgekoppelten Gesprächsteile gerne hören möchte; bitte hier. Viel gelernt hab ich wieder; zum einen weiß ich nun dass es dem Moderator vertraglich  …

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