• …aller Ehren wert

      Herr W. ist 87 Jahre alt und zum ersten Mal in diesem Winter trägt er heute seine Mütze. Als ich meine Kamera aus der Tasche nehme, holt er seinen Kamm hervor, und bringt sein Haar in Ordnung. Weil Herr W. nicht gut stehen kann suchen wir uns ein kleines Mäuerchen in der U-Bahn Station, und reden ein Weilchen im Sitzen. Es gibt tatsächlich keine Bank für Passanten, nirgends. Herr W. lebt alleine, und er ist sehr froh in seiner eigenen Wohnung zu sein. Vor ein paar Jahren hatte er einen Schlaganfall, seitdem geht alles etwas  …

  • So lange wie möglich

    „Ich möchte so lange wie möglich in meiner eigenen Wohnung bleiben“ antwortet Frau P. auf meine Frage ob sie sich vorstellen könne in einem Seniorenwohnheim zu leben. 84 Jahre ist sie alt, mit 9 Jahren ist sie mit ihren Eltern in das Haus gezogen in dem sie heute noch lebt. „Ich hab meine Tochter, und eine Enkelin und ich geh jeden morgen eine Stunde mit dem Hund, und abends noch mal.“ Der Hund gehört übrigens nicht ihr, sondern der Enkelin: „…aber die muss ja arbeiten.“ Mit ihrem Wunsch was das  …

  • Stoiker und Seelenfrieden

    Maria ist eigentlich aus Lettland, aber gerade für ein Auslandssemester in Mainz. Sie studiert Philosophie und interessiert sich besonders für Ethik und die antiken Philosophen: „Seneca zum Beispiel.“ Ich bitte Maria, mir als Philosophie-Laien zu erklären, was sie an diesem Thema fasziniert. Das ist allerdings gar nicht so einfach für sie, mal eben schnell auf deutsch. Entscheidend ist für sie der Blick auf das große Ganze; die Welt in ihrer Gesamtheit zu sehen. So ist es ihrer Ansicht nach falsch egoistisch zu sein, nur auf  …

  • Platz für Helden

    In Mainz bin ich vor ein paar Tagen Lukas begegnet. Bereits ein erstaunliches Drittel seines Lebens ist er nun schon Fernseh-Moderator. Begonnen hat alles 2001 bei Viva. Aber dort ist er nicht recht glücklich geworden, und so hat er sehr bald den Sender verlassen. In den folgenden Jahren hat er überwiegend bei KiKa moderiert; zB. „Fortsetzung folgt“ und „Ein Platz für Helden“. Beides Doku-Formate, die nah am Leben von Kindern dran sind, und Lukas hatte ganz offensichtlich sehr viel Spaß an dieser Arbeit: „Bei  …

  • Tausend Köpfe

    Im September habe ich bei meiner Ausstellung Frau B. kennengelernt; hier mehr dazu. Damals hatte sie mir erzählt dass sie malt, und zwar meistens Gesichter und Menschen, denn die faszinieren sie. Die spontan getroffene Verabredung uns wiederzusehen war gar nicht so leicht in die Tat umzusetzen, aber schließlich haben wir doch einen Termin gefunden. Zur Mittagszeit am vereinbarten Tag bin ich bei Frau B. eingetroffen und man soll ja nicht glauben wie schnell neun Stunden vergehen. Und zwar ohne dass es auch nur ansatzweise thematischen  …

  • Kältegänge

    Vor einem halben Jahr habe ich Elvis auf der Strasse angesprochen und fotografiert. In den letzten Wochen hab ich ihn immer mal wieder durch die Stadt streifen sehen. Als die Kälte kam habe ich mich gefragt wie es ihm oder auch Mustafa wohl ergehen mag, wie sie besonders die kalten Nächte überstehen. Elvis hatte mir bei unserer ersten Begegnung erzählt, dass er immer draussen übernachtet. Eine Nacht in einer Odachlosenunterkunft zu verbringen kommt für ihn nicht in Frage. Heute habe ich Elvis wiedergetroffen und und auch mit ihm reden  …

  • Pfeil- und Fadenbude

    Gestern hat mich mein Weg nach Oldenburg geführt und dort bin ich auf dem Lamberti-Markt Herrn Schmidt begegnet. Herr Schmidt ist von Beruf Markt- beschicker; gemeinsam mit seiner Frau betreibt er eine Pfeil-und Fadenbude. Das macht er schon sehr lange, aber bevor er mir verrät seit wann genau muss ich erst mal schätzen wie alt er ist. Ich rate 76, liege aber falsch, denn Herr Schmidt ist 83. Und wo ich schon bei den Zahlen bin kommen gleich noch mehr; seit beinahe 60 Jahren ist er mit seiner Frau verheiratet. 8 Kinder haben sie zur Welt  …

  • Bulgarian woman

    Stanislava ist Bulgarin und spricht ein weiches, rollendes „R“. Seit einem Jahr lebt sie in Köln, vorher hat sie in Aachen studiert: „Journalismus, aber jetzt arbeite ich in einem Klamottenladen.“ Ob, oder wie lange das so bleibt ist vorerst ungewiss, denn den Traum vom journalistischen Arbeiten hat Stanislava noch nicht aufgegeben. Sie interessiert sich für Kunst und Fotografie, und das ist auch der Bereich in dem sie gerne tätig wäre. Welche Fotografen sie mag findet sie schwierig zu beantworten: „Ich mag so  …

  • Seeluft

    Rita überquert die Strasse vor mir und sieht mich mit lächelnden Augen an. Ein paar Sekunden dauert es, dann endlich mache ich mit meinem Rad kehrt und finde sie glücklicherweise auch wieder. Sie will gerade ihren Enkel von der Schule abholen, und nachdem ich sie blitzschnell foto- grafiert habe begleite ich sie auf dem Weg dorthin. Rita erzählt dass sie 25 Jahre durch die Welt gereist ist; gut 15 Jahre hat sie auf dem Meer gelebt. Sofort stelle ich mir Rita auf einem großen Überseetanker vor. Damit liege ich aber falsch; zuerst ist sie  …

  • Due Lune

    Seit ich neulich zu Gast bei einer Podiumsdiskussion war, von der ich hier ein wenig verworrenen berichtet habe, beschäftigt mich das Thema Nachbar- schaft. Unter all den Gedanken, die mir dazu spontan durch den Kopf gingen, war auch die vage Erinnerung an ein eher beiläufiges Gespräch, das mich dennoch nachhaltig beeindruckt hat. So habe ich mich auf den zugegeben kurzen Weg zu meiner damaligen Gesprächspartnerin gemacht, was einfach war: sie hat ein Geschäft für Kleidung in der Land- mannstrasse. Ulrike Passage ist ihr Name, und die  …

  • Follow the money

    Natascha ist Amerikanerin und lebt seit gut 16 Jahren in Deutschland. Sie ist Musikerin; ihr Instrument ist die Oboe. „Aber ich arbeite nicht mehr als Musikerin; Oboe spielen ist sehr anstrengend und ich bin ein bisschen alt dafür.“ Vor drei Wochen ist sie 60 geworden und mit dieser Information versetzt sie mich  doch in Erstaunen. Natascha ist als erste schwarze Frau in New York auf der renommierten Juilliard University dem Studium der Oboe nach- gegangen, und war als erste schwarze Frau als Gast-Oboistin bei den New York  …

  • Grundkurs in Malaria

    Vanessa ist Chemikerin und Umweltwissen- schaftlerin. Gerade war sie auf einer For- schungsreise in Tansania, wo sie sich im Auftrag des Pestizid Aktionsnetzwerks PAN dem Thema umweltfreundliche Malaria- bekämpfung gewidmet hat. Im Schnellver- fahren bekomme ich eine kleine Malaria-Einführung: Weltweit infizieren sich jähr- lich ca. 250 Millionen Menschen an Malaria, das durch Moskitos übertragen wird. Rund eine Million Menschen sterben daran, die meisten davon in Afrika. „Noch immer wird das Pestizid DDT zur Bekämpfung einge- setzt,  …

  • Achtsames Trinken

    Jen ist die jüngste von vier Geschwistern und das ist eigentlich schade, denn sie hatte eine Idee die für die anderen zu spät kam: In der Oberstufe ist sie einfach mal in Swasi Land zur Schule gegangen. Sie hatte sich überlegt, dass es schön wäre ein wenig von der Welt kennenzulernen. Die Stiftung United World Colleges ermöglicht zweijährige Schul-Aufenthalte in vielen Ländern der Welt. Jen kann einen solchen ‚Ausflug‘ nur empfehlen: „Es war ja alles organisiert, und nicht nur wildes Aben- teuer. Ich war da im Internat  …

  • Handlebar Moustache

    Mir ist nicht recht klar, wie das passieren konnte, aber heute habe ich in den Tiefen meines Blogarchives diese beiden Herren entdeckt. ‚Entwurf‘ stand neben ihrer Überschrift; die Bilder bereits eingefügt, doch kein einziges Wort hat ihnen bislang Gesellschaft geleistet. Dabei habe ich sie bereits im Mai getroffen; da waren sie gerade auf dem Weg zum Bahnhof, und ich muss gestehen dass ich ihr Reiseziel vergessen habe. In London jedenfalls leben sie, und seinerzeit waren sie auf einer kleinen Deutschlandreise. Jock heisst der  …

  • …und bunt ist das Ergebnis

    Im Februar habe ich Meiki auf der Straße angesprochen, die gerade ganz vertieft in ihre Zukunftspläne war. Ich durfte damals nicht verraten worum es geht, aber immer mal wieder habe ich an sie gedacht. Und zwar in der Gewissheit, dass ich es schon mitbekomme, wenn ihre Idee wahr wird. Mit hochaktueller Berichterstattung kann ich nun allerdings nicht glänzen; denn schon vor 2 Monaten hat Meiki ihre Müsli-Bar eröffnet. Yummy heisst der Laden, und hier gehts zur Homepage. Und weil ich es ja momentan mit der Nachbarschaft habe frage ich auch  …

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