…so heißt ein Kunstprojekt das Stephan Brenn 2009 gemeinsam mit zwei weiteren Künstlern realisiert hat. Diesen wunderbaren Titel hat er zwar nicht selbst ersonnen, er benennt aber den Ort einer Ideenarena, was sag ich, einer sprudelnd reichen Gedankenstätte, der fein- und hintersinnige Virtuositäten scheinbar federleicht und definitiv höchst charmant entspringen: der Raum zwischen den Ohren des Stephan Brenn. (Ein Raum der allerdings in beruhigender Kohärenz mit dem Herzen und auch dem Rest des Körpers verbunden scheint.)Diese …
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Standhalt
Immer wieder, hie und da, fallen mir Menschen auf, die mit überkreuzten Beinen dastehen. Was, so frage ich mich seit einer Weile, mag wohl der Grund sein, dass es zumeist Mädchen oder junge Frauen sind, selten ältere Frauen und so gut wie nie Jungs oder Männer, die in dieser Haltung auf den Bus, den Glühwein oder den Konzertbeginn warten?Als unsicher und schüchtern gilt aus Sicht der Körpersprachler wer sich der Umwelt auf diese Weise präsentiert. Wackelig und kippelig sind die beschreibenden Adjektive. Männer, so durfte ich erfahren, …
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Schneefest
„Sehr kalt in Deutschland!“ finden Addam, Daniela und Alan aus Venezuela, und dass sie die zu den schneefesten Skihosen passenden Jacken nicht tragen, liegt daran, dass sie eigentlich gerade Fußball spielen. Mitten im Weihnachtsgewimmel in der Fußgängerzone haben sie eine freie Ecke gefunden. 8 Tage verbringen sie in Europa, 3 davon in Deutschland, und auch wenn es für mein Empfinden in Köln zur Zeit bad-warm ist, in Venezuela liegen die Temperaturen an Weihnachten bei ca 30 Grad und mehr. Wie man in Venezuela …
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Flüchtig
„Der Jugend unbeschwertes Spiel…“, das hab ich mal in einem Buch gelesen; leider will mir nicht einfallen in welchem. Gesagt hat es ein alter, kauziger Mann der weder mochte, was er solcher Art kommentierte, noch das Herz der Leser zu erobern sonderlich im Stande war. Der Jugend unbeschwertes Spiel. Ein paar Bilder aus dem späten, sommerlichen Herbst. Als Widmung und auch zur Erinnerung, falls das unbeschwerte Spiel mal allzusehr Vernachlässigung erfährt. Ich glaube, das obere Bild werde ich mir eines Tages in sehr groß …
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„Ich rechne ja in Nudeln…“
Das ist Elisabeth Lorscheid, die Ende 2009 den Kalker Kindermittagstisch e.V. ins Leben gerufen hat. Aufmerksamen Bloglesern wird nicht entgangen sein, dass ihrem Projekt die Spendensumme zugute kommt, die durch die Verlosung von Johann Königs Bühnenanzug gesammelt wird. Details und alle Infos dazu ausführlich hier und in Kurzform hier; (jede noch so kleine Spende hilft!) Die Aktion geht noch bis 29.12.2011. Für 150 bis 180 Kinder kocht Frau Lorscheid gemeinsam mit ein oder zwei Unterstützerinnen an 5 Tagen in der Woche ein frisches, …
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Radrennen
Zuerst überholt Lu mich mit dem Fahrrad und anschließend ich sie; ich bin neugierig, die Frau mit dem bunten Schal und der bestickten Weste von vorne zu sehen. Dass ich sie fotografieren darf freut mich, und nachdem wir ein Weilchen geredet haben ziehe ich beschwingt und gut gelaunt von dannen. Manche Menschen haben dieses Talent, eine aufgehellte Stimmung zu bewirken, und für mich gehört Lu unbedingt dazu. Lu ist in Köln geboren. Sie hat in Heidelberg studiert und dann ein halbes Jahr in England verbracht. Nun ist sie frisch …
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„Wasser mit Wassergeschmack“
Das ist Johann König in seinem Bühnenanzug. Dass er darin auch auf der Straße posiert hat einen Grund, und zwar einen guten: „Was machen wir jetzt mit dem Anzug? Versteigern?“ hat Johann mich letzten Dienstag, wenige Minuten nach der letzten Aufführung seines Programmes „Total Bock auf Remmi Demmi“ im Kölner Tanzbrunnen, gefragt. 257 mal ist er im braunen Cordanzug, den ich, auch das soll hier Erwähnung finden, höchstpersönlich entworfen und angefertigt habe, auf die Bühne gegangen. Die Entstehungsfrage …
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Love is all you need
Eine Woche haben Albina und Edward Zeit sich ein wenig in Deutschland umzusehen. Sie machen einen Städtetrip, der in München begonnen hat und über Köln nach Berlin führt.Die beiden leben in St. Petersburg, wo Edward einen technischen Beruf ausübt, der im weiteren Sinne wohl mit Gas zu tun hat, uns aber an die Grenzen der Verständigung bringt. Da ist es mit Albina’s Berufswünschen schon leichter. Sie möchte gerne Modedesignerin werden. Eine Ausbildung in dieser Richtung hat sie nicht gemacht: „Aber es ist meine Leidenschaft, …
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„Schöner unsere Paläste“…
…so heisst der Bildband von Gerd Danigel, und am liebsten würde ich nun eine Auswahl der darin enthaltenen Fotos veröffentlichen. Allein, am Ende wäre es wohl beinah das ganze Buch, denn daraus auszuwählen gleicht einer Unmöglichkeit. Die Schwarz-Weiss-Fotos, zwischen 1978 und 1998 auf den Strassen Berlins entstanden, zeigen Gerd Danigels hinter- und feinsinnigen real-poetischen Blick auf eine Welt, die inzwischen gründlich und mehrfach erneuert wurde. Meine ausdrückliche Begeisterung für Gerd Danigels Fotos wechselt sich mit …
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Zoey Zoley!
Eisprinzessin, dieses Wort macht es sich sofort in meinem Kopf bequem, als ich Zoey in einem Berliner Café sehe. Zoey ist eine ganz und gar echte Berlinerin: „In der dritten Generation. Ja, na echt, dass muss man ja dazusagen. Bin ich auch stolz drauf.“ Zoey lacht, und ich bin verloren. Ihr Großvater war Schuhmacher am Prenzlauer Berg, zumindest meine ich mich zu erinnern, dass Schuhmacher der Beruf war. Denn ganz ehrlich: Zoey zuzuhören lenkt mich ab von dem was sie sagt. Sie spricht so schön. Wenn sie nicht im Café …
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Eigentlich
„Man sagt ja sehr oft ‚Eigentlich…‘, aber man muss auch den Mut haben, dass das Eigentlich wahr wird. Immer wieder.“ Das ist Herr Hasumis Antwort auf die Frage, worauf es im Leben ankommt, und er lacht, während er das sagt: „Das ist nicht immer so leicht.“ Herr Hasumi ist Lautenist, Frau Abe spielt Geige. Als ich sie anspreche sind sie mit raschen Schritten auf dem Weg in die Minoritenkirche, wo sie mit weiteren Musikern ein Benefizkonzert für Japan spielen.Beide leben seit Anfang der 90iger …
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Be happy
Manch Werktätigem, der sich im Zustand der verzehrenden Sehnsucht nach erholsamen Urlaubstagen befindet, mag dies ein Trost sein: auch Touristen sind durchaus mit weltlichem Ungemach konfrontiert. Ich weiß das, weil ich von Zeit zu Zeit auf Reisende treffe, deren am offenbarsten zu Tage tretender Grundzustand der folgende ist: die Eile. Stets gilt es Termine einzuhalten: der Bus zur Sightseeing-Tour will erreicht werden, die Messe im Dom beginnt sekündlich, die Führung durch die üblichen Kölner Brauhäuser steht an und allerlei …
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Sonntagsstadt
Sie war zwar heute verkaufsgeöffnet, die Stadt, hat sich aber doch von erstaunlich ruhiger Seite gezeigt. Vielleicht war es auch in mir selbst einfach ruhig, so dass ich mit entsprechendem Blick die Dinge sehen konnte. Wer mag das mit Bestimmtheit wissen?Den einen oder anderen Stadtspaziergang hat es hier ja schon gegeben. Es folgen nun, in chronologischer Reihenfolge, ein paar Bilder vom heutigen.Bitte hier entlang… Although the city was open to business today I could witness a quite relaxed atmosphere around. Maybe I simply was …
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En passant, sozusagen
Zwölf Samstage ist der Rothaarigentag her, und ich bleib meinem bummeligen Veröffentlichungsrhythmus treu, der sich diesbezüglich nun mal eingeschlichen hat. Den Jungs und den Männern, denen meine überwiegende fotografische Aufmerksamkeit gegolten hat, folgen heute nun also immerhin wenigstens ein paar Fotos von weiblichen Besucherinnen in Breda, die allerdings mehr oder weniger nebenbei entstanden sind. Leslie aus Ohio war gemeinsam mit einem rothaarigen jungen Mann unterwegs, und wie um die Aussage von Race aus dem Männer-Post zu …
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Wärmendes Wams
Vor über dreissig Jahren hat Frau Z. ihren karierten Mantel in einem kleinen Laden beim Dom gekauft. Weil sie keinen Pulli und keine Strickjacke darunter tragen kann, hat der Mantel üblicherweise ab November temperaturbedingte Tragepause. Nicht so allerdings in diesem Jahr: „Es ist ja ungewöhnlich mild. Die Pappeln haben noch nicht mal alle Blätter verloren.“ Trotzdem trägt Frau Z., quasi als Strickjackenersatz, ein wämendes „Wams“, wie sie es nennt. Das hat sie selbst gewebt: „…und mit einer alten …














