Die Zeit zerfällt im Schnee

 

Ziemlich genau 100 Minuten und ungefähr 6000 Meter liegen zwischen dem ersten und dem letzten Foto dieser kleinen Serie vom gestrigen Gang zum nächstgelegenen Bäcker.
Gut, das mit dem nächstgelegen ist nicht ganz korrekt; es gibt auch einen kleinen Laden in Gleisweiler (ca. 600 Einwohner) selbst. Der öffnet in den Wintermonaten allerdings nur zu sehr überschaubaren Zeiten (06:00-11:30), die abzupassen weder ich noch der Mann derzeit im Stande sind.
Außerdem gibt es noch eine Bäckerei im benachbarten Frankweiler (knapp 900 Einwohner). Die ist an jedem Tag der Woche für mindestens 10 erstaunliche Stunden geöffnet und hat reichlich – und ausschließlich – Backwaren im Sortiment. Das macht auch Sinn, denn nur wenige Schritte entfernt bietet ein kleines Lebensmittelgeschäft was Lebensmittelgeschäfte eben so bieten. Tütensuppen, Mehl und Kirschen im Glas. Das sind zumindest ein paar der Dinge, die ich im Inneren des Ladens ausmachen kann, als ich mir an der Eingangstür die Nase plattdrücke.


Aber auch Lebensmittelgeschäftinhaber brauchen mal Urlaub. Wer wäre ich, das zu kritisieren, befinde ich mich derzeit doch selbst darin. Das ist übrigens nicht die einzige Synchronizität zwischen mir und dem Lebensmittelgeschäftinhaber; auch das Ende der leichtfüßig verbrachten Tage ist identisch. Den Menschen, mit dem ich also mindestens zwei Dinge gemein habe, werde ich demnach weder kennenelernen, geschweige denn kann ich ihm etwas abkaufen.

Wenn das Herz aber neben Brot und Eiern noch ein paar andere Kleinigkeiten begehrt, hilft die freundliche Bäckersfrau im Nachbarort Böchingen (knapp 800 Einwohner) weiter. Auch bei ihr kann man nämlich Tütensuppen, Mehl und Kirschen im Glas kaufen. Und während ich mir selbst beim Betrachten der Lebensmittel-Auslage im fensterlosen Nebenraum der Bäckerei ein kleines Witzchen zunuschele, ernte ich in meinem Rücken ein fremdes Lachen. Also drehe ich mich um und finde mich nur einen Schritt vom Schalter der Postfiliale entfernt. Dort sitzt eine kleine Frau auf einem niedrigen Stuhl; das auf Lücke gefüllte Lebensmittelregal immer vor Augen.

Nachdem die Einkäufe erledigt und verpackt sind machen wir uns auf den Heimweg. Ich bin glücklich. Die Zeit zerfällt im Schnee. Langsam beginnt es zu dämmern.

 

 

 

 

 

 

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