• Teach the teacher

    Vor einer Weile habe ich Frau S. getroffen und hier schon mal fotografiert. Weil unser Gespräch recht kurz war damals und ich sie gerne mehr gefragt hätte, habe ich ihr geschrieben, und wir haben uns auf einen kleinen Spaziergang getroffen. Sie unter- richtet an einer Hauptschule, und sie ist richtig gerne Lehrerin. Anstrengend sei der Beruf, hatte sie bei unserer ersten Begegnung auf meine Frage geantwortet – und dabei doch recht entspannt gelächelt. Diesmal frage ich genauer nach: „An- strengend“, sagt sie „ist  …

  • Außendienst

    Als ich Saskia mit ihrer großen Sonnenbrille sehe, kommt mir spontan der Gedanke eine kleine Sonnenbrillenserie zu foto- grafieren. Kaum befinde ich mich jedoch mitten im Gewühl der unterschiedlichsten Sonnebrillenträger erlischt mein Jagd- instinkt jählings und ich finde meine eigene Idee total überflüssig. Es gibt nun also keine Serie, stattdessen etwas über Saskia: Sie ist Lehrerin und hat wie die meisten Lehrer eine kritische Haltung ihrem Beruf gegenüber. Anstrengend, auf- reibend und oftmals frustrierend ist das Lehrer-Dasein und die  …

  • Einfach so

    Frau M. kommt gerade vom Friseur als ich sie anspreche. Zum ersten Mal hat sie sich ihre weissen Haare blond färben lassen. Einfach so, weil sie das mal ausprobieren wollte. Wir sind schnell mitten im Ge- spräch; als hätten wir uns nicht gerade erst kennengelernt sondern wiedergetroffen. Frau M. ist Sozialarbeiterin und auf die Frage worauf es ihr im Leben ankommt antwortet sie spontan; „…dass man Normen und Werte nicht einfach über- nimmt, sondern für sich persönlich hinter- fragt.“ Dann überlegt sie ein bisschen und  …

  • Serenity

    Das ist der Herr ‚Not quite like Beethoven‘. Alex heisst er im echten Leben, und in eben jenem hab ich ihn nun auch kennen- lernen dürfen. Neben der Leidenschaft fürs bloggen haben wir noch die Nominierung für unten erwähnten Grimme-Online-Award gemeinsam. Und weil wir gegenseitige Leser unserer Blogs sind, war die Freude um so größer nach der Veranstaltung im Düsseldorfer Medienhafen darin noch zusammen verloren zu gehen. So viele Häuser im Hafen, so wenige Menschen und kein einziges Schiff.Alex ist ertaubt und schreibt einen  …

  • Sprachlos…

    … bin ich. Darüber dass mein liebstes Lieblingsprojekt -mein Blog- nun nominiert ist. Und weil das erst mal sacken muss, ich es aber unbedingt erzählen möchte, mach ich es heute mal kurz. Hier gibts die Liste aller 23 Nominierten; allesamt interessante Projekte,Seiten oder Blogs und so saßen wir heute im Kreis beisammen und durften uns kennenlernen. Am 30.6 ist Preis- verleihung. Aber mal im Ernst; allein schon nominiert zu sein ist unglaublich. Es gibt übrigens auch ’nen Publikumspreis und da darf jeder sein wertes  …

  • Sockentrick

    Alexandra eilt an mir vorbei und gleich kommt ihr Zug. Schnell muss es also gehen, und hastig frage ich sie nach ihrer Kleidung, was sie da liest und was sie im Leben beschäftigt. Sie macht gerade Abitur und ihre Kleidung kommt irgendwie so zu ihr; „…das hier ist geschenkt, dies hab ich schon ganz lange, die Tasche ist aus Spanien; ich weiss auch nicht so genau… Ich hab keinen Laden in dem ich immer einkaufe.“ Sie liest Milan Kunderas „Unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ und momentan beschäftigt sie  …

  • A chequered man

    Billy freut sich dass ich ihn fotografieren möchte; „Meine Frau hat heute morgen noch einen Witz gemacht, weil ich 2 verschiedene Karos trage.“ Und nicht nur das; die Weste ist gestreift, das Hemd ebenfalls kariert. Billy hat den Stoff für die Hose in Nippes auf dem Wochenmarkt ge- kauft und sie sich nähen lassen. Inspiriert ist sie von Tom Ford, dem schönsten Silberblick der Modewelt und Regisseur von „A single man“ (trailer), der in seiner Herbst/Winter Kollektion 09 so manches Karo verarbeitet hat. Karos und  …

  • The Whirlwind

    Ansgar kommt aus Dortmund und ist Prog-Rock Fan. Das steht für Progressive Rock und der hat seine Wurzeln in den späten 60er und den 70er Jahren. Die zeitliche Zuordnung dürfte anhand der Kleidung ja recht leicht fallen. Für all jene die mit der musikalischen Zuordnung hingegen etwas unsicherer sind; berühmte Vetreter dieser Musikrichtung sind unter anderem Yes, Manfred Manns Earth Band, Jethro Tull, Genesis und King Crimson. Aktuell ist Transatlantic eine (die?) angesagte Band, und Ansgar ist auch gerade auf dem Weg in die Live Music Hall  …

  • Ehrenfelder Paar

    Dieses Paar aus Ehrenfeld weckt meine Neugierde durch den sehr ähnlichen Kleidungsstil, den die beiden haben. Wie lange sie schon verheiratet sind kann ich nicht sagen, aber der freundliche Herr war 40 Jahre lang als Bäcker und Konditor bei einer bekannten Kölner Bäckereikette angestellt. Nun ist er in Rente und er kümmert sich um seine Frau; „Ich bin Butler, Koch, Fahrer und Unterhalter … alles …“ sagt er mit kölscher Präsenz; ein bisschen ruppig und mit dem Schalk in den Augen. Er macht sich einen Spaß, daraus mir  …

  • Belly dance

    Frau M. ist gerade auf dem Sprung in den Urlaub und erledigt ein paar letzte Dinge als ich sie anspreche. Sie findet es wichtig sich zu pflegen und sie zieht sich auch gerne schön an. Früher hat sie als Chefsekretärin in einer holländischen Firma gearbeitet. Niederländisch sprechen kann sie allerdings nicht; „Mein Chef meinte das wär nicht nötig, aber eigentlich ist das Quatsch.“ sagt sie rückblickend. Jeden Morgen macht Frau M., Jahrgang 39, ihre Yogaübungen und mindestens einmal die Woche geht sie zum Bauchtanz. Einfach so,  …

  • Piratenschiff…

    Daya ist 5 und somit nun der jüngste hier im Blog. Er sagt ich darf ihn fotografieren, aber nur auf der Treppe, und von still stehen haben wir ja nicht gesprochen… Seine Mutter erklärt mir den Knoten auf seinem Kopf; sie sind Sikhs und in ihrer Religion sollen die Haare ungeschnitten sein: „wie Gott uns erschaffen hat.“ Sind die Haare für einen Turban noch zu kurz tragen die Jungen eine Patka. Nächstes Jahr kommt Daya in die Schule, aber bis jetzt ist unklar in welche. Auf jeden Fall soll er zweisprachig aufwachsen, sagt  …

  • S. Punkt

    Mit seinen roten Haaren und dem BMX-Rad fällt mir S. sofort auf. Er wirkt ziellos, aber er wartet auf Freunde, erklärt er mir, auch wenn er nicht genau zu wissen scheint ob sie kommen. Sie kommen aber, und zwar pünktlich als ich die Kamera aus der Tasche hole. S. steht kurz vor seinem Stu- dienabschluss; das ist das allerwichtigste in den nächsten Wochen. Ansonsten legt er Wert auf respektvollen Umgang unter den Menschen; „Da sollte jeder für sich drauf achten.“ Weil ich nichts wiklich privates hier hinschreiben darf, halte ich  …

  • Las Remesas

    Maria Luisa ist auf Regen eingestellt. Sie kommt aus Madrid und ist eigentlich mo- mentan bei den Kurzfilmtagen in Ober- hausen. Mit ihrem Freund ist sie dort mit einem Film vertreten den sie in El Salvador gedreht haben. Darin geht es um „Las Remesas“; Geldüberweisungen von Migran- ten aus El Salvador, die in den USA ar- beiten und ihre Familien zuhause finanziell unterstützen. Ein ernstes Thema, er- staunlich mitreissend, temporeich und angemessen zynisch erzählt. Maria Luisa is prepared for rain. She’s from Madrid and  …

  • John Wayne auf „Platte“

    Wie es manchmal so ist; während ich nachdenklich vor dem Plakat „Unmut statt Armut“des Schauspielhauses stehe, sehe ich mit langen Schritten einen Cowboy um die Ecke kommen. Ich laufe hinterher und lerne Erwin kennen, den alle Elvis nennen. Seit 27 Jahren ist er obdachlos. Er ist gelernter Maler und Verputzer und sein Lieblingsschauspieler ist John Wayne. Auf seinen Kleidungsstil legt er großen Wert: „Bloß weil man auf der Straße lebt muss man nicht total abgerissen aussehen.“ sagt er. Überhaupt hat er Prinzipien  …

  • Scheibenwelt

    Nina ist so schön durcheinander angezogen dass ich neugierig werde. Ich frage sie wie sie ihre Kleidung zusammenstellt und ernte erst mal ein Schulterzucken. „Also ich mag das Kleid wegen den Ornamenten und der Rest ist dann so dazugekommen.. Der Schal ist weil ich Halsschmerzen habe“ sagt sie heiser und etwas ratlos, als wüßte sie nicht genau was für eine spektakuläre Antwort ich wohl erwarte. Sie mixt einfach so zusammen was ihr gefällt und ich bekomme das Wort ‚unbekümmert‘ nicht mehr aus dem Kopf. Nina studiert  …

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