• Kopftuch

    Neslihan am Taksim-Platz / Neslihan at Taksim „Je mehr ich mich mit den Kopftüchern beschäftige, desto weniger kenn ich mich aus“ schreibt Anne Feldkamp in ihrem Blog Blica, in dem sie jüngst den ein oder an- deren Beitrag zum Thema verfasst hat. Mir geht es ganz genauso. Zumal die allerorten hitzig geführte Debatte um das Stück Stoff den merkwürdigen (Ein)Druck entstehen lässt, als müsse man sich klar entscheiden und sich auf die eine oder andere Seite schlagen. Pro oder Contra Kopftuch, da- zwischen bleibt wenig, wie mir  …

  • Kein Künstler

    Das ist Ara Güler, der wohl bekannteste Fotograf der Türkei; das Auge von Istan- bul. Um der Wahrheit die Ehre zu geben; seine Arbeit habe ich erst im Zuge meiner Istanbul-Vorbereitungen kennengelernt. Je- doch war es sofort um mich geschehen; seine Fotos strahlen eine Selbstverständ- lichkeit des Momentes aus, die etwas sehr unmittelbares hat. In Beyoglu, ganz in der Nähe meines Hotels, ist das Cafe Ara. Es ist nach ihm benannt und angeblich, so habe ich gelesen, soll er manchmal dort sitzen. Bei meinem ersten Besuch halte ich natürlich  …

  • Mikrokosmos

    Sevgi betreibt gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrer Schwester ein kleines Modelabel mit dem Namen Antijen. Seit sechs Jahren entwerfen sie hauptsächlich Kleider in eher puristischem, klassischen und doch sehr modernen Stil. Keiner der drei kommt ursprünglich aus der Mode- branche, Sevgi beispielsweise hat Wirt- schaftswissenschaft studiert. Trotzdem führen sie ihr gemeinsames Unternehmen mit wachsendem Erfolg und liefern in- zwischen auch nach Italien, Schweden, Spanien und Saudi-Arabien. Vor Ort kann sich die suchende Kundin ein  …

  • Sitzreihe

    Zurück aus Istanbul erscheinen mir die Kölner Strassen seltsam leer und nahezu unbelebt. Das liegt natürlich am Vergleich und den noch sehr frischen Eindrücken die in mir nachwirken. Auch lädt das Wetter hier nicht unbedingt zum draußen ver- weilen ein. Allein an den Temperaturen liegt es aber sicher nicht, dass in Istanbul deutlich mehr Leben auf der Strasse statt- findet. Wikipedia verrät, dass sich in Köln im Schnitt ca. 2500 Menschen einen Qua- dratkilometer teilen; knapp 7000 Menschen sind es dagegen in Istanbul. Und die sind spürbar  …

  • Geliebter Norden

    Serder kommt mir mit langen Schritten entgegen und auf meine Frage ob er englisch spricht antwortet er: „a little.“ Aus Erfahrung weiß ich inzwischen, dass dies keine zurückhaltende Untertreibung ist. Da ich nur „a verschwindend little“ türkisch spreche begleite ich ihn also zu seinem Freund um die Ecke, der übersetzen kann. Serder hat einen kleinen Klamottenladen mit trendiger Streetwear. Gerade in Bey- oglu gibt es sehr viele solcher Minishops; hinter abgerissenen Fassade und aufge- rissener Strasse befindet sich  …

  • Wachsame Augen

    Zwischen Beyoglu und Cihangir, den beiden Stadtteilen Istanbuls in denen sich die hiesige Szene zuhause fühlt, liegt Cukurcuma und wird von beiden Seiten langsam einverleibt. Dadurch steigen die Mietpreise und viele der hier ansässigen Bewohner können sich ihr eigenes Viertel schon nicht mehr leisten. Kemal ist Anti- quitätenhändler; wie die meisten hier. Ein Laden reiht sich an den nächsten, und ein paar Secondhand- und Retroshops sind auch dabei. Die Begegnung mit Kemal ist ausgesprochen herzlicher Natur, wenn auch das Gespräch trotz  …

  • Klares Ziel

    Ich treffe Eylül in Beyoglu, einem ange- sagten Szeneviertel auf der europäischen Seite Istanbuls. Sie studiert Medien- und Kommuniaktionswissenschaften und sie hat ein klares Ziel; Eylül möchte „Anchorwomen of the News“ werden. Ihre Tante ist eine bekannte Nachrichtenmoderatorin in der Türkei, und in ihrer Kindheit fand sie es immer toll sie im Fernsehen zu sehen. Seitdem stand für Eylül fest dass sie das Gleiche machen möchte. Sich als Frau frei bewegen und entfalten zu können ist für sie sehr wichtig; einen Beruf zu erlernen  …

  • Kalligraphie

    In einem Restaurant im großen Basar sehe ich im vorbeigehen diesen Herrn am Tisch sitzen, während er gerade Geschäfte macht. Ohne lang zu überlegen gehe ich hi- nein und spreche ihn an, obwohl sogar Geld den Besitzer wechselt und eifrig Zahlen- kolonnen addiert werden. Herr Canbula- toglu gestattet mir ihn zu fotografieren und rechnet seelenruhig weiter. Als er fertig ist wendet er sich mir dann zu; ich lerne einen ausgewählt höflichen Mann kennen. Ich frage ihn ob dies sein Restaurant ist, aber er verneint und zeigt nach draußen in die  …

  • Aerodynamik

    Tunc treffe ich in Nisantasi, dem Viertel Istanbuls wo sich Armani und Prada die Hände reichen, und in dessen noblen Strassen man so manche Dame auf High-heels entlangstöckeln sehen kann, die besser zuhause nochmal den würdevollen Gang eingeübt hätte.Angenehm unpassend erscheint mir Tunc in diesem Szenario und mich bei meinem Istanbul-Projekt zu unterstützen scheint für ihn Ehrensache zu sein. Er selbst ist Metallbildhauer und hat sein Atelier, dass er mit zwei anderen Künstlern teilt, im benachbarten Stadtviertel. Tunc inter- essiert sich  …

  • Seiltanz

    Ewgenia, die sich auf englisch Jane nennt, treffe ich in Cihangir und bin gespannt ob sie aus Istanbul kommt oder nicht. Ver- mutlich hätte ich in vielen anderen Stadt- teilen auf Touristin getippt, aber Cihangir hat einiges mit Berlin Prenzlauer Berg gemeinsam. Hier leben Künstler und Schriftsteller und sehr viele europäisch ge- prägte Menschen. Istanbul ist eine Stadt der Gegensätze; alles kommt vor und das oft sehr dicht beieinander. Vom Minirock bis zur Vollverschleierung ist alles dabei; ein blonder Raspelschnitt fällt trotzdem auf.  …

  • Sich kennen…

    Seit ein paar Tagen bin ich nun schon in Istanbul und laufe, fahre und schwitze durch diese riesige und wunderschöne Stadt in der ca. 13 Millionen Einwohner leben. Istanbul befindet sich auf zwei Kon- tinenten und heute habe ich auf der asia- tischen Seite diesen Herrn auf dem Markt in Kadiköy getroffen. Neugierig haben wir uns gegenseitig beäugt, bis ich ihn schließ- lich angesprochen habe. Mit gebrochenem Englisch und mir unverständlichem Türk- isch antwortet Herr Aysu auf die Fragen die ich ihm stelle. Glücklicherweise ist gerade ein  …

  • Verwandlung

    Rame, gesprochen mit Betonung auf dem ‚e‘, kommt gerade aus einem chinesischen Supermarkt als ich ihn sehe. Sofort fühlt Köln sich total international an; lauter Welten in den unterschiedlichen Welten; und alle neben- und durcheinander. Rame erzählt mir in fremdlautendem Deutsch dass er Maler ist; astrale Kunst macht er. Was genau das ist kann ich im Gespräch nicht ergründen. Aber dass er sich wan- delnde künstlerische Phasen hat, kann man  seiner Seite entnehmen. Das Muster seiner Keidung ist ebenfalls sein Werk; die Hose  …

  • Vom Geben und Nehmen

    Mandy ist Modedesignerin; sie entwirft und näht Kleider aus einer anderen Zeit. Von den 20igern bis zu den 60ern findet sie in allen Jahrzenten Details und Elemente in den Schnitten die sie begeistern, und die sie gerne wieder aufleben lässt. Vor einer kleinen Weile erst hat sie sich selbst- ständig gemacht und neulich lag in meinem Postfach eine mail von ihr. Darin hat sie freundlich angefragt ob ich nicht einen Link zu ihrer Seite setzen möchte; die hab ich mir dann erst mal angeschaut und was ich da gesehen habe gefiel mir richtig gut.  …

  • anders-anziehen goes Istanbul

    Es ist schon eine Weile her dass ich ge- fragt wurde ob ich mich gerne mit einer Ausstellung an „Photokina: Köln fotogra-fiert“  beteiligen würde. Ich hab nicht lang gezögert und zugesagt. Schliesslich gab es auch einen geeigneten Veranstaltungsort; der Glaspavillon unter der Rheinseilbahn. Als ich dort zur ersten Besichtigung war hat sich, spontan aber hartnäckig, eine Idee in mir festgesetzt. Luftig und offen ist der Raum, zudem in direkter Nähe zum Rhein und dann noch die Seilbahn vor Ort; der Gedanke von dort aus ein  …

  • The great escape

    Basi steht rauchend am Kleintransporter der Antiquitätenfirma für die er arbeitet, und das Foto muss ganz fix gehen. Ich frage noch schnell nach seiner Brille und worauf es ihm im Leben ankommt; Basi legt Wert auf einen eigenen Stil und da- rauf, nicht auszusehen wie alle. Er liebt die Kleidung der 50er, hört Rock’n Roll und sammelt Klamotten und Möbel aus dieser Zeit; so hat er auch seine Brille gefunden. Vor einer Weile hatte ich ja, ähnlich eilig, die Gelegenheit diese junge Dame mit ähnlicher Stil-Ausrichtung zu fotografie- ren.  …

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