• „Gender ist ja kein Elite-Thema“

    Tarik studiert Medien- und Kommunika­tionswissenschaften in Wien, macht aber momentan ein Praktikum bei einer Fern­seh-Produktionsfirma in Köln. Bevor er nach Wien gegangen ist, hat er eine Zeit lang in Berlin gelebt, in Recklinghausen ist er aufgewachsen und seine Eltern stammen aus Eritrea. So richtig angekommen ist er bislang noch nirgends und seit kurzem hegt er die Vermutung, dass dies vielleicht weniger an den Orten, als viel mehr an ihm selbst liegen könnte. „Ich möchte schon gerne mal ankommen, irgendwo.“ sagt Tarik.  …

  • „Dreck hat auch was Ehrliches“

    Benjamin habe ich an Weiberfastnacht fotografiert. Das Foto – Benjamins Blick und Ausdruck darauf – hat mich nicht mehr losgelassen, und so haben wir uns gestern noch einmal getroffen, und sind mehrere Rede-Runden durch den Kölner Stadtgarten spaziert.„Es gibt so einiges, was ich attraktiver finde, als die Realität.“ sagt Benjamin, des­sen Beruf nicht zufällig mit der Erschaffung anderer, neuer, fiktiver oder künstlicher Welten zu tun hat. Er arbeitet beim Film; mal als Assistent der Außenrequisite, mal als   …

  • People are People

    Vor 2 Jahren haben Sofia und Alexander Moskau verlassen und sind nach Köln gezo­gen. Da war Sofia 68 und Alexander 70. Was sie veranlasst hat, diesen Schritt zu gehen, das will Sofia mir vielleicht einmal erzählen: „Aber das geht nicht in 2 Minuten auf der Straße.“ Nur soviel: damals hat sich die Möglichkeit ergeben und sie haben sie genutzt. „Für uns ist es wie ein neues Leben.“ Sofia ist schon immer gerne gereist und in ihrer Vorstellung vom Leben ist es gut, auch in anderen Ländern gelebt zu haben.Die beiden  …

  • Vehikel

    „Durch Verkleidung versucht der Mensch, sich von seinem eigenen Ich zu entfernen.“ schreibt Ingrid Loschek in Mode – Verführung und Notwendigkeit. (Bruck­mann 1991)Mir drängt sich angesichts der beachtlichen Anzahl druckbetankter Narren ja häufig der Verdacht auf, es geht weniger ums Ent­fernen als ums Entrinnen. Aber das sei nur nebenbei erwähnt. Viel inspirierender finde ich dagegen, den Gedanken Ingrid Loscheks ins Gegenteil zu verkehren; sich durch die Verkleidung also nicht vom eigenen Ich zu entfernen, son­dern sich  …

  • Vom anderen Stern

    Also, dieses Jahr werden wir einfach nicht recht warm miteinander, der Karneval und ich. Dabei folge ich dennoch beinahe täglich seinem Ruf und begebe mich unverzagt auf lange Fußmärsche quer durch die Stadt. ‚Jaa‘, denke ich, ‚Heute‘, denke ich, ‚da mach ich mal so richtig viele Fotos.‘ Allein; der Funke will nicht überspringen, mitten im Getümmel. Ich laufe mit der Kamera umher und statt unentwegt zu fotografieren denke ich, ‚Mmh, kann man fotografieren. Muss man aber nicht.‘ Well,  …

  • Selbstgemacht

    „Es gibt einen Ort wie keinen anderen auf der Welt. Es heißt, um dort zu überleben, muss man verrückt sein wie ein Hut­macher.“ sagt der Hutmacher. Aus aktu­ellem Anlass bin ich geneigt anzunehmen, dass es sich bei diesem Ort um das karnevalistische Köln handeln muss.Meinen imaginären Hut ziehe ich jedenfalls auch in diesem Jahr wieder vor all jenen, die dem grasierenden und bedauerlicher­weise omnipräsenten Kaufhauskarnevals­kostümterror trotzen und selbst Hand anlegen an ihre Verkleidung.  (Man sollte ja denken, Köln  …

  • „… und??“

    Seit September studiert Asuka für ein Jahr in Deutschland Germanistik. Ursprünglich kommt Asuka, (gesprochen übrigens ‚Aska‘) aus Yokohoma, das irgendwie zu Tokio gehören zu scheint. Wobei es Tokio als Stadt eigentlich gar nicht wirklich gibt; eine Wissenslücke, die zu schließen ich gestern das Glück hatte. Vielmehr handelt es sich um eine Metropolregion, die aus 23 Bezirken besteht; Yokohama steht aller­dings nicht in der Liste, die ich später im Netz finde. Das ist jedoch nicht der einzige Umstand, der mir vor Augen führt,  …

  • Bonhomie

    Früher war Paul CEO bei einer großen Firma, die weltweit mit Papier handelt: „Ich bin um die Welt geflogen und habe Hände geschüttelt. Hände schütteln kann man nämlich nicht per email. Also bin ich hingefahren und wir haben noch einmal alles besprochen, was wir ohnehin schon schriftlich vereinbart hatten. So funk­tioniert das Geschäft. Es ist wichtig, sich persönlich zu kennen und auch, sich zu helfen.“Als er dann vor 12 Jahren in Rente ging, hat Paul der Millionenstadt Bangkok den Rücken gekehrt und ist gemeinsam mit seiner  …

  • Revue (1)

    Was zu kurz gekommen ist in diesem Jahr? Mein Blog. Sehenden Auges, mit ratlosem Bedauern und konfrontiert mit der Un­möglichkeit noch mehr zu schaffen und zu arbeiten, als ich nicht selten bis tief in die Nacht ohnehin schon getan habe, musste ich Monat um Monat erneut einsehen, dass hier mehr Ruhe herrschte als in meinem Leben. Und vor allem mehr als mir lieb war.Dabei habe ich noch so viele Fotos, die zu veröffentlichen ich einfach nicht geschafft habe. Bis die Geschichten zu den Bildern in meiner Erinnerung zu blass und vage wa­ren,  …

  • …weiter gucken

    1966 haben Jan und Clasina sich bei einem Urlaub in Österreich kennengelernt.Damals war Jan 34 Jahre alt, Clasina war 2 Jahre jünger. „Es war eine Reisegruppe. 10 Leute und er war einer davon“ sagt Clasina. Seitdem sind sie ein Paar und momentan sind sie wieder auf Reisen; sie haben eine Flußkreuzfahrt gebucht und schippern seit 7 Tagen auf dem Rhein umher. Morgen geht es zurück nach Holland, wo die beiden leben. Auf meine Frage worin ihrer Meinung nach das Geheimnis einer glück­lichen Beziehung liegt, lacht Clasina fröhlich  …

  • Der Retro-Salon

    Kaum guckt man mal ein paar Monate nicht vorbei…, denke ich mir, als ich neulich bei Esther für ein Shooting ein paar Requisiten leihen möchte.Esther ist Raumausstatterin. Und zwar mit Leib und Seele. Ich bin beruflich mit ihr locker aber treu verbandelt, und immer wenn ich sie nach, bei, vor oder mitten in der Arbeit erlebe, kommt mir das Wort Vollblut in den Sinn. Vor über sieben Jahren hat sie sich mit  ihrem Werksalon selbstständig gemacht: für Foto, Film und Veranstaltungen verwandelt sie leere Räume und Hallen in neue  …

  • Beauty

    Henrik ist Schwede. Er stammt aus Stock­holm und lebt seit einer Weile in Göteborg, wo er Architektur studiert. Wohin genau er beruflich möchte weiß er noch nicht, was ihn interessiert hingegen schon: die Schön­heit. Ich frage ihn, was er darunter versteht: „Nichts im speziellen. Es ist eher ein Gefühl an dem man merkt, dass etwas schön ist.“ sagt er und klopft sachte mit der Hand auf seinen Bauch. Henrik mag alte Häuser, alte Straßen, alte Stadtviertel: „Wenn etwas ganz neu ist, dann hat es noch keine Geschichte. Mich  …

  • Über Gastlichkeit und so. Ein Erkenntnisgewinn

    So. Heute portraitiere ich mal meine Unterkunft. Für 5 Tage und 6 Nächte ist sie gedacht mir ein, äh, Heim in der Fremde zu sein. Nach 4 Tagen und 5 Nächten, in denen ich mich um eine positive Grund­haltung bemüht und einem allzu nüchtern-realistischen Blick verweigert habe, ver­lasse ich nun, vielleicht aus Notwehr und beginnender Verzweiflung, das Prinzip des Wohlwollens, dass üblicherweise meinen Portraits zugrunde liegt. Oder anders gesagt: wen ich nicht mag, den stell ich hier nicht vor.Also sonst.Dennoch beginne ich mit den Vorzügen  …

  • Fernweh

    Wenn Frau Z. lacht, und das tut sie augen­scheinlich gern, dann ist es, als würde sie einen willkommen heißen. So, wie es Men­schen gibt, die mit angeborenem Rhyth­musgefühl und geübter Leichtigkeit im Tanz zu bezaubern vermögen, so lacht Frau Z. die Leichtigkeit herbei, ohne dass neben jener nichts anderes mehr Platz finden würde. Frau Z. erzählt aus ihrem Leben und erheitert dabei sich – und mich – mit ihren kleinen eingeschobenen Kommenta­ren am Rande. Dabei war ihr Leben keineswegs immer leicht: 1946 ist Frau Z., die aus  …

  • Ruhe durch Reihung

    Auf die Frage „Was fällt Ihnen als erstes (oder zweites) zu Augsburg ein?“ würde vermutlich niemand ein Foto dieser Serie als beispielhaften Beleg wählen.Bei meinem sieben(!)stündigen Stadtspa­ziergang waren es aber genau diese Mo­tive, die mir sonntägliche Ruhe und kontemplative Einkehr beschert haben. Probably nobody would choose a photo of this series to illustrate the typical site of Augsburg.Anyway, exactly these subjects and sights, which I spotted during my city stroll of seven hours provided sunday-peace and  …

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